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Mit Dank zurück

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Mit Dank zurück

Das rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerium dankte der Mainzer Uniklinik für ihren Einsatz in der Pandemie – mit einem Lavendelstrauch. ver.di-Aktive brachten ihn zurück.
Beschäftigte der Mainzer Unimedizin bringen den Lavendelstrauch zurück zum Ministerium. ver.di Beschäftigte der Mainzer Unimedizin bringen den Lavendelstrauch zurück zum Ministerium.

»Was immer auch geschieht, nie sollt ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!« Diesen Satz von Erich Kästner haben sich in ver.di organisierte Beschäftigte der Universitätsmedizin Mainz zu Herzen genommen: Am Freitag (17. Juli 2020) brachten sie den vor einiger Zeit vom Staatssekretär des Wissenschaftsministeriums, Denis Alt, vor dem Klinikum gepflanzten Lavendelstrauch zurück zum Ministerium. »Ich danke von Herzen«, hatte der SPD-Politiker der Universitätsmedizin mit der Einpflanzung des »bienenfreundlichen Lavendelstrauchs« sagen wollen. Hunderte empörte Kommentare von Krankenhausbeschäftigten auf diversen Social-Media-Kanälen waren die Reaktion.

»Auch wir sagen Danke« – unter diesem Motto machen ver.di-Aktive in einem Video klar, warum sie den Lavendelstrauß zurückgebracht haben. »Ich bedanke mich für jede Schicht, in der wir unterbesetzt arbeiten«, so eine Kollegin sarkastisch. »Ich bedanke mich bei der Landesregierung für den Lavendel. Er war uns eine große Hilfe und hat die Probleme gelöst«, ergänzt ein Beschäftigter. Outsourcing, fehlende Personalstandards, keine finanzielle Anerkennung für die Leistungen und Belastungen während der Pandemie – das seien die Probleme, die die Regierendenden endlich angehen müssten, so ihre Botschaft.

Hunderte solcher Kommentare finden sich auch unter dem Tweet des Ministeriums. So schreibt eine OP-Pflegerin: »Ein Lavendel für fünf Euro macht das zerstörte Gesundheitssystem, welches zu Corona nochmal auf die Probe gestellt wurde, natürlich wieder gut. Es ist so lächerlich. Ich habe nur noch Wut übrig!« Eine andere Nutzerin kommentiert: »Das ist der Dank für die Menschen, die sich tagelang in Schutzklamotten einen abschwitzen und sich den Arsch aufreißen? Werft doch direkt mit Schuhen oder Steinen. Traurig, wie die Pflege verarscht wird.« In der Standardantwort des Ministeriums auf die Kritik heißt es immerhin, man fordere politisch eine auskömmliche Finanzierung der Universitätsklinika, deren Bedeutung sich in der Pandemie zeige.

»Worte und Blumen reichen nicht – die Beschäftigten der Krankenhäuser fordern ernsthafte Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen«, betont der ver.di-Pflegebeauftragte für Rheinland-Pfalz und das Saarland, Michael Quetting. »Vor allem brauchen wir verbindliche Personalvorgaben, eine bedarfsgerechte Finanzierung statt der Fallpauschalen und die Wiedereingliederung aller outgesourcten Bereiche«, so Quetting mit Verweis auf die Foto-Petition, mit der sich Beschäftigte aus Krankenhäusern bundesweit für diese Forderungen einsetzen. Die Beschäftigten der Mainzer Unimedizin – eins von bundesweit 17 Krankenhäusern, in denen ver.di eine Vereinbarung zur Entlastung erkämpft hat – werden sich sicher nicht mit einem Lavendelstrauch ruhigstellen lassen.

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