Coronavirus: Infos für Beschäftigte

»Die Angst fährt immer mit«

COVID-19

»Die Angst fährt immer mit«

Die Beschäftigten im Rettungsdienst wissen oft nicht, ob sie es mit Menschen zu tun haben, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Sie fordern Schutz und finanzielle Anerkennung.
Der Rettungsassistent Norbert Jahn vom Bayerischen Roten Kreuz in Fürth macht bei der Foto-Aktion deutlich, dass auch Rettungskräfte eine Prämie verdient haben. ver.di Der Rettungsassistent Norbert Jahn vom Bayerischen Roten Kreuz in Fürth macht bei der Foto-Aktion deutlich, dass auch Rettungskräfte eine Prämie verdient haben.

Rettungskräfte wissen nie, was bei ihren Einsätzen auf sie zukommt. Während der Corona-Pandemie kommt eine weitere Unsicherheit hinzu: Oft ist nicht klar, ob sie es mit Menschen zu tun haben, die mit dem Coronavirus infiziert sind. »Manche sagen es nicht oder wissen es selbst nicht, da fährt die Angst immer mit«, erklärt der Rettungsassistent Norbert Jahn vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK) in Fürth. »Besonders Kolleginnen und Kollegen, die selbst zu den Risikogruppen gehören oder gefährdete Angehörige haben, machen sich Sorgen.« Deshalb sei es wichtig, dass die Rettungskräfte mit qualitativ hochwertigem Schutzmaterial versorgt werden, betont der Sprecher der Fachkommission Rettungsdienst im ver.di-Landesbezirk Bayern. Zudem müsse die zusätzliche Belastung während der Krise auch finanziell honoriert werden.

Die körperliche Anstrengung im Rettungsdienst ist schon im Alltag groß. Jetzt muss zusätzlich die luftundurchlässige Schutzkleidung getragen werden, wenn davon auszugehen ist, dass die Hilfsbedürftigen mit dem Coronavirus infiziert sind. Laut BRK ist die Zahl der Infektionstransporte seit Beginn der Pandemie um bis zu 370 Prozent gestiegen. Für die Rettungskräfte bedeutet das, dass nach jedem dieser Einsätze das Fahrzeug und die gesamte Inventur desinfiziert werden müssen.

Die Versorgung mit Schutzmaterial sei bei den verschiedenen Trägern und in den Regionen unterschiedlich, berichtet Norbert Jahn, der auch in der ver.di-Bundesfachkommission Rettungsdienst aktiv ist. »Wir in Mittelfranken bekommen bislang genug Material, man merkt aber schon, dass die Qualität nachlässt.« In Regionen, die stärker von der Pandemie betroffen sind, sei in den Rettungswachen vor allem der Ausfall von Kolleg*innen ein Problem, die sich angesteckt haben oder vorsorglich in Quarantäne müssen.

Vor dem Hintergrund der hohen Belastung fordern die Rettungskräfte – wie ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Bereichen des Gesundheitswesens –, dass während der Krise besondere Zulagen gezahlt werden. »Als die bayerische Landesregierung verkündete, die Leistungen der Pflegekräfte mit einer Prämie zu honorieren, war der Rettungsdienst zunächst außen vor«, sagt Jahn. Viele haben daraufhin beim Ministerpräsidenten des Freistaats, Markus Söder (CSU), protestiert – mit Erfolg. Nun können auch Rettungskräfte beim Landesamt für Pflege eine Einmalzahlung beantragen, die für Vollzeitbeschäftigte 500 Euro, für Teilzeitkräfte mit bis zu 25 Wochenstunden 300 Euro ausmacht. »Dass wir das durchgesetzt haben, war schön und hat gezeigt: Wenn man sich Gehör verschafft, kann man etwas bewirken.« Auch an einer bundesweiten Foto-Aktion, mit der Gesundheitsbeschäftigte mehr Personal, genug Schutzausrüstung und Prämien fordern, haben sich viele Rettungsdienstler beteiligt.

Mit der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) hat sich ver.di zuletzt auf einen Tarifvertrag über eine Sonderprämie von 1.500 Euro für Vollzeitkräfte geeinigt, die in der Altenpflege allgemeinverbindlich werden soll. Auch an einigen Kliniken werden bereits Prämien bezahlt. ver.di hat auch das Deutsche Rote Kreuz aufgefordert, während der Corona-Krise eine monatliche Zulage von 500 Euro zu bezahlen. In dem Aufruf heißt es: »Alle Beschäftigten im Rettungsdienst, im Krankenhaus, in der Altenpflege, in den Kitas und in der Sozialen Arbeit, in der Behindertenhilfe, in der Notbetreuung, in der Flüchtlingshilfe, in der Obdachlosenhilfe und weiteren Bereichen tun in dieser Krise unter erheblich erschwerten Bedingungen alles, um so gut es irgend geht zu unterstützen, zu betreuen, zu begleiten, zu pflegen und zu versorgen.« Es sei an der Zeit, ihnen gegenüber Anerkennung und Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Das DRK ist darauf allerdings bislang nicht eingegangen.

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