Coronavirus: Infos für Beschäftigte

Überlastung lebensgefährlich

Krankenhausreinigung

Überlastung lebensgefährlich

Die Pandemie hat Reinigungskräften in Krankenhäusern noch mehr Arbeit beschert. In Essen fordern sie mehr Zeit und Lohn – und erhalten Unterstützung aus der Klinikbelegschaft.
Warnschild: Achtung Rutschgefahr im Krankenhausflur Arnim Thomaß Noch mehr Arbeit für das Reinigungspersonal im Krankenhaus

»Kein einziges Wort« habe sie in der Corona-Pandemie von Klinikleitung oder Politik über die wichtige Rolle der Reinigung gehört, berichtet Berna Kocak. Die 52-jährige Putzkraft aus dem Essener Uniklinikum sagt das weniger frustriert als wütend. »Wir haben von den Mächtigen eben keine Wertschätzung zu erwarten.« Dabei habe der Stress der Reinigungskräfte im Zuge der Pandemie noch einmal deutlich zugenommen. Um Infektionen zu vermeiden, wird intensiver und gründlicher gereinigt. In einigen Bereichen müssen die Kolleg*innen zusätzlich vor Ort die Betten desinfizieren. Doch mehr Personal gibt es nicht.

»Die Situation in der Reinigung hat sich noch einmal verschärft, sie ist aber schon länger schlecht«, betont Kocak. Seit wann, kann sie ziemlich genau benennen: 2003. In diesem Jahr gliederte das Essener Universitätsklinikum – wie so viele andere Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen – Tätigkeiten in eine Gebäudeservice GmbH aus. Sie gehört zu 49 Prozent dem Klüh-Konzern, der für seinen rabiaten Umgang mit Beschäftigtenrechten bekannt ist. Die seither neu eingestellten Reinigungskräfte müssen zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten als ihre zuvor am Uniklinikum selbst angestellten Kolleg*innen. Statt eines Stundenlohns von 14 bis 17 Euro, wie er im Tarifvertrag der Länder (TV-L) gilt, erhalten sie nur den Gebäudereiniger-Mindestlohn von 10,80 Euro. Für die Reinigung in OPs und Intensivstationen gibt es einen Euro mehr. »Und für diesen Niedriglohn riskieren sie in Zeiten von Corona täglich ihre Gesundheit«, kritisiert Kocak.

Auch die Arbeitsbedingungen sind in der Servicegesellschaft schlechter. Angeblich haben die Kolleginnen dort dieselben Quadratmetervorgaben wie die klinikeigenen Reinigungskräfte. Doch de facto müssten sie viel mehr Zimmer in der gleichen Zeit schaffen, berichtet Kocak, die sich bei ver.di und im Personalrat der Uniklinik engagiert. »Zum Beispiel in der Kinderklinik waren vor der Ausgliederung 20 Reinigerinnen, inzwischen sind es nur noch halb so viele.« Die hohe Belastung sei schon vor Ausbruch der Pandemie groß gewesen, »jetzt ist sie lebensgefährlich«. Und zwar für Beschäftigte wie für Patient*innen.

Vor diesem Hintergrund haben die Reinigungskräfte in Essen begonnen, sich zu wehren. Rund 300 Unterschriften sammelten sie dafür, dass sie die gleichen Löhne wie im öffentlichen Dienst bekommen und mehr Zeit, um vernünftig reinigen zu können. Dafür erhalten sie viel Zuspruch. »Mehr Zeit und Lohn zum Reinigen! Wir stehen an eurer Seite«, steht auf den Plakaten, mit denen etliche Klinikbeschäftigte ihre Solidarität kundtun.

Personalrat mit Schild: "Mehr Zeit und Lohn zum Reinigen. Wir stehen an eurer Seite" privat Der ver.di-Aktivist Dave Kittel am Uniklinikum Essen zeigt seine Solidarität mit den Reinigungskräften.

So wie Dave Kittel, der als Fotograf im Essener Uniklinikum arbeitet. »Ich bin viel im Haus unterwegs und erlebe leider immer wieder, dass die Kolleginnen nicht die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen«, begründet er sein Engagement. Die Beschäftigten der Gebäudeservice GmbH bräuchten endlich einen Tarifvertrag, der ihnen die gleichen Löhne und Arbeitsbedingungen wie im Klinikum garantiert. »Um das zu erreichen, brauchen sie die Solidarität aller Kolleginnen und Kollegen«, ist Kittel überzeugt.

Auch Kocak hält es unbedingt für nötig, den Reinigungskräften in der Servicegesellschaft den Rücken zu stärken. Denn viele hätten Angst, sich für ihre Rechte einzusetzen. Jahrelang seien sie vom Management eingeschüchtert und immer wieder mit Arbeitsplatzverlust bedroht worden. Viele arbeiteten in Teilzeit, befristet oder in anderweitig prekären Beschäftigungsverhältnissen. »Um uns Respekt zu verschaffen, müssen wir uns zusammentun und kämpfen – und genau das haben wir vor.«

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