drei.78

Pflicht zur Corona-Impfung?

Pro/ Contra

Pflicht zur Corona-Impfung?

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.78, COVID-19, Impfpflicht, Helmut Roos Daniel Wenk ist ver.di-Vertrauensmann und Vorsitzender der Mitarbeitervertretung im Evangelischen Sozialwerk Müllheim.

Pro

»Ich spreche mich für die Corona-Impfung aus! Die katastrophalen Nachrichten aus der Region um Bergamo, aus dem nahegelegenen Elsass und vielen weiteren extremen Hotspots zu Beginn der Pandemie haben bei mir Spuren hinterlassen. Ein Corona-Ausbruch in einem unserer Häuser, bei dem sich die meisten Bewohner*innen infizierten und ein Drittel verstarb – traumatische Erfahrungen für meine Kolleg*innen. Dank der weitgehenden Durchimpfung unserer Bewohner*innen sind die Auswirkungen von auftretenden Corona-Fällen inzwischen »nur« noch dramatisch.

Im August hatten wir zum wiederholten Mal einen Corona-Eintrag durch einen nicht geimpften Mitarbeiter. Die Konsequenz: drei infizierte Beschäftigte, fünf nicht geimpfte Beschäftigte mussten vorsorglich in Quarantäne. Die verbliebenen geimpften Kolleg*innen versorgen in Unterbesetzung die Bewohner*innen, machen Überstunden und Sonderschichten, während die Ungeimpten zwangsweise zu Hause sind. Zur Vermeidung dieser Krisen, aber auch zur Bewältigung der globalen Herausforderung der Corona-Pandemie, gehört aus meiner Sicht eine möglichst hohe Impfquote. Ich zähle dabei auf Solidarität und Gemeinschaftssinn. Reicht das nicht, sehe ich zu einer Impfpflicht letztlich keine Alternative.«

Daniel Wenk ist ver.di-Vertrauensmann und Vorsitzender der Mitarbeitervertretung im Evangelischen Sozialwerk Müllheim.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.78, COVID-19, Impfpflicht, privat Gordana Tatarovic ist ver.di-Vertrauensleutesprecherin und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Klinikum Ludwigshafen.

Contra

»Der Gesetzgeber hat in Deutschland bewusst darauf verzichtet, Menschen zur Impfung gegen Covid-19 zu verpflichten. Unser Arbeitgeber setzt dennoch auf Zwang und hat arbeitsrechtliche Schritte gegen Beschäftigte ergriffen, die sich nicht impfen lassen wollen – bis hin zur Kündigung. Als Betriebsrat haben wir dem widersprochen und uns hinter die betroffenen Kolleg*innen gestellt. Unsere Aufgabe ist es, die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu verteidigen. Und dazu gehört auch das Recht, sich freiwillig für oder gegen eine Impfung zu entscheiden. Es gibt viel Verunsicherung. Dagegen helfen nur verständliche und gut belegte Informationen. Druck bewirkt das Gegenteil.

Ich selbst bin geimpft und rate das auch anderen. Einzelne Berufsgruppen wie Gesundheitsbeschäftigte dazu zu zwingen, finde ich aber falsch. Auch Impfungen bieten keine vollständige Sicherheit. Geimpfte können das Virus offenbar immer noch weitertragen. Vor diesem Hintergrund halte ich eine Impfpflicht für unverhältnismäßig. So oder so muss die Mitbestimmung beim Umgang mit der Pandemie eingehalten werden. Die Maßnahmen dürfen nicht einseitig vom Arbeitgeber diktiert werden. Auch dagegen wehren wir uns.«

Gordana Tatarovic ist ver.di-Vertrauensleutesprecherin und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende am Klinikum Ludwigshafen.

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