Gesundheit & Soziales

ver.di lohnt sich: 250.000 Euro erstritten

Eingruppierung

ver.di lohnt sich: 250.000 Euro erstritten

Die Leiterinnen der Krankenpflegeschule in Pirmasens haben mit Unterstützung der Gewerkschaft auf eine korrekte Eingruppierung geklagt – mit durchschlagendem Erfolg.
zwei Pflegekräfte mit altem Mann Werner Bachmeier Pflege im Krankenhaus

Es geht um viel Geld: Zusammen über 250.000 Euro haben die Leiterin der Krankenpflegeschule im rheinland-pfälzischen Pirmasens, Christine Boos, und ihre Stellvertreterin Anja Hammel bis zum Rentenalter insgesamt mehr zu erwarten. Der Grund ist die von ver.di ausgehandelte neue Entgeltordnung im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD): Seit dem 1. Januar 2017 steht den beiden Leitungskräften deshalb ein deutlich höheres Gehalt zu. Doch die Klinik – sonst ein guter Arbeitgeber, wie die beiden Schulleiterinnen betonen – verweigerte die Höhergruppierung. Boos und Hammel fassten sich ein Herz und reichten mit Unterstützung von ver.di Klage ein – mit durchschlagendem Erfolg: Ihre Gehälter steigen um rund 25 Prozent, die Differenz muss rückwirkend ausgezahlt werden.

»Wir warten schon lange darauf, dass Lehrkräfte an Pflegeschulen und deren Leitungen besser bezahlt werden«, betont Boos. Gemessen an den Anforderungen sei die bisherige Bezahlung unangemessen gewesen. Denn neben der pädagogischen Arbeit entwickeln die Schulleiterinnen Lehrpläne und Konzepte, bilden Praxisanleiter/innen weiter, bauen Netzwerke für externe Einsätze der Auszubildenden auf, unterstützen und fördern ihre Schützlinge auf allen Ebenen. »Das ist eine sehr vielfältige, anspruchsvolle Arbeit, die angemessen honoriert werden muss«, meint Hammel. Viele Stellen in der Pflegepädagogik könnten nicht besetzt werden, weil anderswo mehr bezahlt werde. »Deshalb ist die Aufwertung der Pflege und Pädagogik im Tarifvertrag so wichtig«, sagt die 50-Jährige.

Doch den beiden Frauen wurde die Eingruppierung in die Entgeltgruppe 14 bzw. 15 verweigert. Die Begründung: Sie haben keine Hochschulausbildung vorzuweisen. »Ich habe Ende der 80er eine Weiterbildung zur Lehrerin für Pflegeberufe gemacht, mehr ging damals gar nicht«, berichtet Boos. »Denn zu dieser Zeit war die Pflege noch nicht an das Wissenschaftssystem angebunden.« Später absolvierte sie noch einen weiterbildenden Studiengang in Betriebspädagogik. Auch ohne akademischen Abschluss leisten die Schulleiterinnen »hervorragende Arbeit«, wie ihnen auch der Arbeitgeber bescheinigt. Trotzdem beharrte er darauf, sie niedriger einzugruppieren. Dabei steht im Tarifvertrag nichts davon, dass ein Hochschulstudium für die Eingruppierung nötig ist. Und das ganz bewusst: So wollte ver.di die Benachteiligung langjähriger Schulleitungen verhindern, die vor den Zeiten der Akademisierung angefangen haben.

»Wenn wir früher zur Klinikleitung gegangen sind und gesagt haben, wir müssten mehr verdienen, hieß es immer: "Tarif ist Tarif"«, sagt Boos, die die Pirmasenser Schule mit aktuell 94 Auszubildenden seit 2002 leitet. »Und genau das gilt jetzt auch: Tarif ist Tarif.« Doch den eigenen Arbeitgeber zu verklagen, fiel den Pflegepädagoginnen nicht leicht. »Sabine Schunck von ver.di hat uns immer wieder den Rücken gestärkt und uns ermutigt, am Ball zu bleiben«, sagt Boos, die seit 40 Jahren gewerkschaftlich organisiert ist. »Das war sehr wichtig und ich bin echt froh, Mitglied in dieser Gewerkschaft zu sein.«

Für Schunck ist das Ganze ein klarer Fall: »Eindeutiger geht es gar nicht«, so die ver.di-Sekretärin. »Es war ganz klar, dass sie in die EG 14 bzw. 15 eingruppiert werden müssen. Sie haben also nur das eingefordert, was ihnen zusteht.« Das örtliche Arbeitsgericht sah das genauso und verurteilte die Klinik zur korrekten Eingruppierung und zur Nachzahlung von jeweils gut 14.000 Euro. »Das ist ein voller Erfolg«, bilanziert Schunck. »Er zeigt: Es lohnt sich, für seine Rechte einzustehen.«

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