drei.78

Nach dem Stresstest der Sozialtest

Leserbrief

Nach dem Stresstest der Sozialtest

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.78, Gesundheitspolitik, ver.di/ werkzwei Leserbrief zu drei.77

zu drei.77, Versprochen. Gebrochen. Lehren ziehen!

Nach dem Stresstest: Humanes Arbeiten und sichere Versorgung finanzieren!

Nach der extrem langen Zeit der epidemischen Lage frage ich mich, was zentrales Ergebnis ist. Es war immer wieder davon die Rede, dass Corona ein Stresstest ist. Auch hat es geheißen, dass das Gesundheitssystem in Deutschland den Test erfolgreich bestanden hat. Weniger Verstorbene als anderswo. Und angeblich konnte auch das System mit Erfolg vor Überlastung geschützt werden.

Ja, einerseits. Andererseits gab es keine Aufklärung der Bevölkerung, dass Gesundheit und Pflege jahrzehntelang immer mehr an finanziellen Gewinnen ausgerichtet wurden, dass vieles privatisiert wurde und dass hier eine der ganz entscheidenden Ursachen für Überlastungsprobleme liegt.

Die vielen großartigen Protestaktionen und Streiks hingegen haben den Finger in die Wunde gelegt: Das System mag vor dem Kollaps geschützt worden sein. Aber sehr, sehr viele von denen, die das System am Laufen halten, sind schon lang jenseits der Überlastungsgrenze angekommen. Und das nicht nur im Gesundheitsbereich.

Die Rückkehr zur »Normalität«, zum System, wie es war, verbietet sich. Ich jedenfalls will und kann mich nicht daran gewöhnen, dass es normal wäre, Gesundheit als Ware, Patient*innen als Kund*innen und das von Herzen engagierte Personal wie maximal auszubeutendes Material für Profite zu sehen. Dabei befürchte ich, dass die digitale Welle dies noch verstärken könnte, die mit einer großen Wucht ja erst im Anrollen ist; frühes Wellenbrechen ist extrem wichtig. Es ist richtig gut, dass ver.di hier aktiv ist.

Wir brauchen eine neue Normalität. Dass es möglich ist, zeigen erste Beispiele. So spart sich etwa das Klinikum in Dortmund das Geld für Optimierungs-Beraterfirmen und das Personal wird an der Entwicklung von tragfähigen Lösungen breit beteiligt.

Insgesamt lautet für mich das zentrale Ergebnis: Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssen geändert werden: für adäquat bezahlte Arbeit aller Berufsgruppen sowie gute und bezahlbare Gesundheit und Pflege, der Gewinnorientierung muss der Garaus gemacht werden. Dazu gehört, dass Bund, Länder und Kommunen nachhaltige, verlässliche Finanzierungsstrukturen für Gesundheit und Pflege als Teil öffentlicher Daseinsvorsorge etablieren. Freie Träger dürfen dabei nicht gegenüber anderen benachteiligt werden. Und natürlich muss in gesunde Arbeits- und Lebensbedingungen investiert werden.

Nach dem Stresstest steht der Sozialtest an. Dazu fordere ich klare Antworten von den politisch Verantwortlichen.

Petra Schmidt-Wiborg, derzeit arbeitssuchend

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