drei.67

Im Saarland ist ein Coup gelungen

Ganz vorn

Im Saarland ist ein Coup gelungen

Da haben die Saarländer wieder etwas erfunden: den Belastungstag. Im Vertrag zwischen der Uniklinik in Homburg und ver.di gibt es nicht nur 145 zusätzliche Stellen und festgelegte Konsequenzen bei Unterbesetzung. Ab dem 1. April werden auch bestimmte Arbeitsbelastungen durch entlastende Freizeittage ausgeglichen. Wenn man acht Belastungstage zusammen hat, erhält man im nächsten Dienstplan einen zusätzlichen freien Tag. 

Es ist ein Coup gelungen, der aufhorchen lässt und hoffentlich viele Nachahmer findet. Es wurde eine Logik etabliert, die ökonomische Anreize schafft, die Belastung einzuschränken. Das ist ein wichtiger Schritt und Ergebnis eines langen Kampfes, an dem in der entscheidenden Nacht über 50 Kolleginnen und Kollegen direkt beteiligt waren. Schwarmintelligenz eben.

Die Arbeitgeber haben mit enormer Kraftanstrengung versucht, alle unsere Bemühungen im Keim zu ersticken. Sie zogen vor Gerichte und verweigerten flächendeckend Tarifverhandlungen. Hätten sie nach dem Abschluss des Tarifvertrages in Baden-Württemberg einen solchen Tarifvertrag für ganz Deutschland angeboten, dann hätten wir wohl unterschrieben. Jetzt haben wir in Essen und Düsseldorf gewaltig was draufgelegt und an der Saar auch. Angefangen hat ja alles an der Charité, wir haben den Staffelstab immer weitergereicht und wir bekommen immer bessere Ergebnisse. Wer sind die nächsten? Unsere Bewegung für Entlastung und mehr Personal lebt.

Nun mögen manche unzufrieden sein: Das geht zu langsam und aber da und aber dort. Recht haben sie. Aber bis dato gibt es leider nur eine einzige Kraft in Deutschland, die etwas bewegt hat. Die nicht nur schwätzt und jammert, die dabei ist, etwas zu ändern. Das ist ver.di. Das erfüllt mich mit verdammt viel Stolz.

Wichtig ist nämlich nicht nur der Erfolg oder Nicht-Erfolg. Wir haben in dieser Auseinandersetzung viel mehr bewegt. Wir haben Menschen ermuntert, ihre Interessen in die eigene Hand zu nehmen.

Eine Hebamme aus Homburg brachte es auf den Punkt, als dort das Konsequenzenmanagement erstmalig wirksam wurde und die Kolleginnen mit gestiegenem Selbstbewusstsein den Kreißsaal bei der Rettungsleitstelle abmeldeten. Sie meinte: »Go for it … später werden sie fragen: Was habt ihr im Leben erreicht? Dann könnt ihr sagen: Wir haben den Menschen das Selbstvertrauen gegeben, ihre Würde wiederzuholen.«

Leute, ich war dabei und ihr auch,

meint euer Michael Quetting

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