Jugend

Schulische Auszubildende endlich bezahlen

Tarifrunde der Länder 2017

Schulische Auszubildende endlich bezahlen

Denis Schatilow ver.di Denis Schatilow

»Während meiner Ausbildung habe ich insgesamt 3.200 Stunden praktisch gearbeitet. Dass ich dafür keinen Cent gesehen habe, finde ich total unfair, zumal das Klinikum mit meiner Arbeit Geld verdient. In einer Stadt wie Düsseldorf ohne Ausbildungsvergütung über die Runden zu kommen, ist echt hart. Ich habe ein Jahr lang jede Samstag- und Sonntagnacht auf Hochzeiten gekellnert. Am Ende war ich total fertig. An Hobbies war gar nicht erst zu denken. Es ist ein Unding, dass die Kliniken uns als unbezahlte Arbeitskräfte missbrauchen. Super finde ich, dass sich auch Pflege-Azubis und viele andere dafür einsetzen, dass wir endlich genauso bezahlt werden wie alle anderen. Dafür machen wir jetzt gemeinsam Druck.« Denis Schatilow (22) hat vor Kurzem seine Ausbildung zum Medizinisch-Technischen Radiologie Assistenten (MTRA) am Düsseldorfer Uniklinikum abgeschlossen.

Ausbildung ohne Geld? Für zu viele Azubis in den Krankenhäusern ist das Alltag. Wer nämlich eine sogenannte schulische Ausbildung in einem Gesundheitsberuf macht, bekommt keinen Cent. Das, obwohl diese Kolleginnen und Kollegen durch hohe Praxisanteile wichtige Leistungen erbringen, die mit den Kassen abgerechnet werden. Sprich: Sie werden als unbezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt. Das muss ein Ende haben.

ver.di fordert Gleichbehandlung. Für Pflege-Azubis und angehende Hebammen ist die Vergütung ihrer Ausbildung eine Selbstverständlichkeit. Zu Recht. So muss es auch bei Medizinisch-Technischen Assistent/innen, Physiotherapeut/innen, Diätassistent/innen, Orthoptist/innen, Logopäd/innen, Ergotherapeut/innen sein.

Wir alle sind das Krankenhaus. Ohne Röntgenbilder und Therapien funktioniert es nicht. Unsere Kolleginnen und Kollegen in diesen Berufen tragen eine hohe Verantwortung. Sie brauchen die bestmögliche Ausbildung. Wie soll das gehen, wenn sie zusätzlich abends und am Wochenende kellnern oder Zeitungen austragen?

Edyta Wystub ver.di Edyta Wystub

»105 Euro – so viel Schüler-BAföG habe ich während meiner Ausbildung bekommen. Aber schon mein Ticket fürs Pendeln von Moers bis Krefeld kostete 103 Euro. Wie will man da eigenständig leben? Dass Azubis in der Krankenpflege eine ordentliche Vergütung bekommen, finde ich völlig richtig. Ohne sie wäre die Situation auf den Stationen noch schwieriger. Aber auch die MTRA-Schüler/innen und andere schulische Azubis arbeiten voll mit. Man powert sich aus und bekommt keine Anerkennung. Das ist echt eine Frechheit. Was ich wichtig finde: Ärzt/innen, Pflegekräfte, MTAs und alle anderen im Krankenhaus sollten an einem Strang ziehen und füreinander einstehen. Je mehr sich für bessere Bedingungen engagieren desto mehr können wir erreichen – auch jetzt in der Tarifrunde.« Edyta Wystub (23) hat am Helios Klinikum Krefeld eine Ausbildung zur Medizinisch-Technischen Radiologie Assistentin (MTRA) gemacht und arbeitet jetzt am Uniklinikum Essen.

Unbezahlbar? Das behaupten die Arbeitgeber von fast allen unseren Forderungen. Doch es ist grundsätzlich gesetzlich vorgesehen, dass die Ausbildungskosten der Kliniken von den Krankenkassen refinanziert werden.

Die Berufsgruppen im Krankenhaus setzen sich füreinander ein. So auch in der Tarifrunde der Länder. Neben weiteren Forderungen will ver.di durchsetzen, dass der Tarifvertrag auch für die schulischen Ausbildungsgänge gilt. Verhandelt wird am 18. und 30./31. Januar sowie am 16./17. Februar.

Das kriegen wir nicht geschenkt. Die Arbeitgeber brauchen Druck, damit sie sich bewegen. Alle Azubis haben jetzt die Gelegenheit, für ihre Interessen einzustehen. Viele sind schon ver.di-Mitglied geworden. Je mehr sich engagieren, desto mehr kann ver.di in den Verhandlungen erreichen.

Neben der Einbeziehung bislang unbezahlter schulischer Ausbildungen in den Tarifvertrag fordert ver.di für alle Azubis:

  • 30 Tage Urlaub
  • verbindliche Übernahmeregelung
  • Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um monatlich 90 Euro
  • Zahlung eines Lernmittelzuschusses von 50 Euro je Ausbildungsjahr
  • Übernahme der Übernachtungs- und Verpflegungskosten bei überbetrieblicher Ausbildung oder auswärtigem Berufsschulbesuch

Das setzen wir nur gemeinsam durch. Mach mit!

Alexander Mrosek ver.di Alexander Mrosek

»Für jeden dritten Azubi an den Unikliniken in Nordrhein-Westfalen gilt kein Tarifvertrag. Das bedeutet nicht nur, dass sie keine Ausbildungsvergütung erhalten. Sie müssen auch noch Schulbücher und Heimfahrten selbst bezahlen. Sie haben noch viele weitere Nachteile: Der tarifliche Übernahme-anspruch gilt nicht, es werden keine Beiträge an die Rentenkasse abgeführt, eine betriebliche Altersversorgung gibt es nicht. Wir sind daher begeistert, dass die Einbeziehung der schulischen Azubis nun eine zentrale Tarifforderung ist. In den letzten zwei Jahren hat unsere Jugendvertretung immer wieder Aktionen dafür organisiert. Auch in der Tarifbewegung werden wir uns nach allen Kräften engagieren. Viele der schulischen Azubis sind schon bei ver.di eingetreten, besonders unter den Physiotherapeuten. Ich hoffe, dass es noch mehr werden, damit wir die Forderung am Ende auch durchsetzen können.« Alexander Mrosek (27) ist Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung am Uniklinikum Essen.

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