Frauen

Frauen vernetzen. Mut machen. Themen setzen.

Frauenkonferenz im Bundesfachbereich 2015

Auf der Frauenkonferenz 2015: Erklärung zur Aufwertung sozialer Berufe Kay Herschelmann Frauenkonferenz 2015

Frauen vernetzen. Mut machen. Themen setzen.
Das ist das Ziel der Arbeitsgruppe Frauen- und Gleichstellungspolitik im Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. Unter diesem Motto fand auch die 4. Frauenkonferenz im Bundesfachbereich mit über 100 Teilnehmerinnen in Berlin vom 20. bis 21. Februar 2015 statt. Im Mittelpunkt der zweitägigen Konferenz stand die Frage, wie die längst überfällige Aufwertung sozialer Berufe gelingen kann. Zudem erfolgte die Wahl der Vertreterinnen in den Bundesfachbereichsvorstand und Bundesfrauenrat sowie die Beratung von (Initiativ-)Anträgen.

Die Kolleginnen leisten wertvolle Arbeit in den Einrichtungen des Gesundheitswesens und der sozialen Dienste. Die Aufgaben sind komplex und verantwortungsvoll. Dies unterstrichen auch Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen in Berlin, und Karin Schwendler, Bereichsleiterin Frauen- und Gleichstellungspolitik in der ver.di-Bundesverwaltung, in ihren Grußworten zu Beginn der Konferenz. Die Zeit ist reif, der gesellschaftlichen Anerkennung die materielle Aufwertung folgen zu lassen. Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und Leiterin des Fachbereichs, brachte es in ihrer Rede auf den Punkt: „Das Ende der Bescheidenheit: Sozial- und Gesundheitsberufe müssen besser bezahlt werden. Und wir wollen uns auch nicht entscheiden, ob wir mehr Personal oder mehr Geld wollen. Wir fordern beides. Mehr Personal für eine gute Versorgung und eine anständige Vergütung für die Beschäftigten.“

Was ist die Arbeit mit und für Menschen wert? Die Ökonomisierung hat inzwischen alle Bereiche des Lebens erfasst. Der Sozialstaat dient nicht der Gewinnmaximierung, sondern den Menschen. Was soziale Arbeit ausmacht, wird durch den wirtschaftlichen Wettbewerb zerstört. Die Beschäftigten stehen unter Dauerdruck. „Wir lassen unsere Liebe zum Menschen nicht länger gnadenlos ausbeuten“, so Bühler. Professionelle Arbeit hat ihren Wert. Die Gesellschaft bekommt etwas Großartiges von uns. Es ist an der Zeit, dass das tagtägliche Engagement stärker gewürdigt wird – durch gute Arbeitsbedingungen und eine gerechte Bezahlung. ver.di hat deshalb die Aufwertungskampagne für die sozialen Berufe gestartet.

Doch welche Chancen hat der Fachkräftemangel zur Aufwertung sozialer Berufe? Dieser Frage ging Michaela Evans, Projektbereichsleiterin Arbeit und Qualifizierung, Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen nach. Michaela Evans präsentierte sehr anschaulich zentrale Ergebnisse aus verschiedenen, sehr beachtlichen Forschungsprojekten Ihr Fazit: Die Beschäftigten in den Sozial- und Gesundheitsberufen dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Mehr Solidarität ist erforderlich, um eine Aufwertung der sozialen Berufe insgesamt zu erreichen. Für weniger Qualifizierte müssen Anschlussperspektiven gesichert werden. Doch ohne ein Engagement der Beschäftigten selbst wird es nicht gehen. Die Frage ist vielmehr, wie diese dabei auf (über-)betrieblicher Ebene unterstützt werden können. Auf überbetrieblicher Ebene sollte zukünftig der Austausch der Träger sowohl untereinander als auch mit Arbeitnehmerorganisationen über arbeitspolitische Themen intensiviert werden. Auf betrieblicher Ebene stehen Konzepte und Maßnahmen auf der Agenda, die dazu beitragen, die Handlungsfähigkeit betrieblicher Interessenvertretungen in den Themen Versorgungsmanagement, Arbeitsgestaltung und Personalentwicklung zu stärken.

Arbeiten bis zum Umfallen?! Diese Erfahrungen machen viele der Beschäftigten in den sozialen Berufen. „Holen aus dem Frei“ wird immer mehr zum Normalfall, Teams unterlaufen zum Teil sogar gesetzliche Vorgaben, um ihren Aufgaben nachzukommen. Doch weshalb fällt es zunehmend schwerer, „Nein“ zu sagen? Dr. Eva Bockenheimer von der Initiative „Meine Zeit ist mein Leben“ ging in ihrem eindrucksvollen Vortrag der Frage nach dem Zusammenhang von „indirekter Steuerung“ – einer Managementmethode – und Arbeitszeit nach. Die Unternehmen geben verstärkt Verantwortung an die Beschäftigten ab. Diese werden gemeinsam in Teams in die Unternehmerfunktion versetzt, auch wenn sie abhängig beschäftigt sind. In den Teams entsteht ein enormer Druck, auch Aufgaben zu übernehmen, die in der regulären Arbeitszeit und mit der geringen Personaldecke nicht zu schaffen sind, weil man sein Team nicht „hängen lassen“ will. Diese Strategien der Unternehmen gilt es offenzulegen und das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass systematisch Rahmenbedingungen gesetzt werden, die uns zu überlangen Arbeitszeiten antreiben. Gemeinsam gilt es Gegendruck aufzubauen: Gewerkschaftliches Engagement und betriebliche Handlungsansätze der gesetzlichen Interessenvertretung sind enorm wichtig, um gegensteuern zu können. Nur gemeinsam sind wir stark!

In ihrer Erklärung zur Aufwertung sozialer Berufe  machen die Teilnehmerinnen der Konferenz deutlich:

Es muss etwas passieren. Für uns. Für alle.

Wir setzen uns ein

  • für eine schnelle Entlastung durch mehr qualifiziertes Personal
  • für eine bedarfsgerechte Personalausstattung in Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesen
  • für eine gute Bezahlung
  • für gute Ausbildungsbedingungen
  • für gute Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • für alterns- und altersgerechte Arbeitsplätze
  • für gesunde Arbeitsbedingungen