Frauen

AG Frauen- und Gleichstellungspolitik FB 3

Frauen: Tagungsbericht Oktober 2015

Vom 9. bis 11. Oktober 2015 trafen sich die Frauen des Fachbereiches Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen in Berlin. Kurz nach den Orgawahlen 2014/15 gab es vieles zu besprechen. So starteten wir bereits am Freitagabend mit Berichten aus allen 10 ver.di-Landesbezirken zu aktuellen Geschehnissen aus der Gleichstellungspolitik der Heimatbezirke und Betriebe. Dabei beschäftigte uns die Tarifrunde des Sozial- und Erziehungsdienstes und die damit verbundene Aufwertung von vor allem durch Frauen geprägten und gewählten sozialen Berufsbildern. Wie muss Tarifarbeit gestaltet werden, um sie verständlich und modern zu gestalten? Was sind besondere geschlechterspezifische Gesichtspunkte, die in den Tarifauseinandersetzungen im Sozial- und Gesundheitswesen bedacht werden müssen? Wie sollte die Tarifarbeit gestaltet werden, um im 21. Jahrhundert schlagfertig zu sein? Schlüsse aus der Tarifrunde für das Vorankommen zu ziehen, ist uns dabei wichtig.

Mit gleicher Sorgfalt haben wir die Aktionen der Fachbereichskampagne „Der Druck muss raus.“ besprochen. Welche Teile kamen gut an, wie war das Timing und die Belastung für die Beteiligten in den Betrieben? Wir stark war die gesamte Organisation in den letzten Monaten, um zu ermöglichen, dass ver.di bei der der öffentlichen Anhörung des Petitionsausschusses des Bundestages unser Anliegen nach einer gesetzlich vorgeschriebenen Personalbemessung vortragen kann? Die Kolleg_innen sehnen sich nach guten Arbeitsbedingungen. Sie müssen entlastet werden, denn die reine wirtschaftliche Zuspitzung auf Rücken des Personals ist nicht richtig. Es hat kaum noch etwas mit Prozessoptimierungen zu tun. Es ist Verschleiß und zu spüren bekommen es die Klient_innen, die Beschäftigten und deren Familien.

Es ist empörend, dass wir in den Sozial-, Erziehungs- und Gesundheitsbranchen auch noch heute immer wieder um finanzielle Aufwertung streiten müssen. Unsere Arbeit kann nicht in puren Zahlen oder Stückwerk gemessen werden, darin sind sich alle einig. Eine Anerkennung der Leistung aber auch neben warmen Worten und festem Händedruck auch in finanzieller Hinsicht zu spüren, dabei müssen die Arbeitgeber_innen noch wirksam von uns unterstützt werden. Da dieses Bewusstsein noch zögerlich entsteht, richtet sich die Ansprache auch der ver.di Frauen derzeit zunehmend an junge KollegInnen. Der Streit um eine wirkliche Gleichstellung, eine echte Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Familie ohne Angst vor Altersarmut, geht uns alle an und wird uns noch lange begleiten. Der  Equal-Pay-Day 2016 hat diesmal das Schwerpunktthema „Berufe mit Zukunft“ und findet unter dem Motto „Was ist meine Arbeit wert?“ statt. Bestehende Ungleichheiten und aktuelle Projekte dazu in ver.di und dem DGB stellten uns dabei Alexa Wolfstätter und Anna Basten vor.

Mitglieder der AG Frauen auf der Demo gegen TTIP und CETA ver.di Mitglieder der AG Frauen auf der Demo gegen TTIP und CETA

Ein gemeinsames Thema der ver.di-Fachbereiche und DGB-Mitgliedsgewerkschaften bewegte uns am 10. Oktober sogar gemeinsam mit 120.000 Menschen auf die Berliner Straßen. Gegen TTIP und CETA demonstrierten auch wir. Handelsabkommen auf Kosten von hart erkämpften Verbraucher_innenrechten und Demokratie dürfen nicht sein. Dafür standen wir neben vielen Kolleg_innen und sogar dem Wetter auf unserer Seite, ein.

Die Ausbildungsreform der Pflegeberufe lässt uns schon seit April die Köpfe heiß werden. Noch immer wird von den zuständigen Ministerien an der generalistischen Pflegeausbildung festgehalten. Dass für uns dabei Generalistik nicht gleich Generalistik ist und die Berufsfähigkeit der Absolvent_innen höheren Wert hat, als an Koalitionsverträgen festzuhalten, ist verständlich. Vor allem, weil wir mit viel Sachverstand auf eine breite Auswahl von Gesundheitsberufen blicken, die keine verbindlichen Ausbildungsanforderungen besitzen. OTA’s, ATA’s, CTA’s und wie sie nicht alle heißen. Überall wird den Bewerber_innen suggeriert, genau ihr Beruf würde überall gesucht. Aber was ist nach dem Abschluss? Wie sieht es aus, wenn die Arbeitsstelle gewechselt wird, wie sieht es mit der Eingruppierung ins Tarifgeschehen aus? Auf viele dieser praktischen Fragen finden weder Betriebe noch Politik adäquate Antworten. Und was sind spezialisierte Ausbildungen ohne Ausbildungsstandards dann wirklich wert? In der Arbeitsgruppe Frauen werden viele Berufsbilder vertreten. Von der Physiotherapeutin über die Altenpflegerin bis zur Sozialarbeiterin, von der Pflegelehrerin bis zur Verwaltungsfachangestellten, ist alles dabei. Allen gemeinsam kommen aus dem betrieblichen Geschehen bundesweit, immer die gleichen Fragen: Wo werden die innovativen Berufsbilder auf dem Arbeitsmarkt gesucht? Sind Absolvent_innen dafür da, ihren eigenen Arbeitsmarkt erst zu bilden? Wie lässt sich eine Gleichstellung bereits in der Ausbildung verwirklichen?

Die „Frauenberufe“ müssen sich emanzipieren! Dafür werden wir aktiv im Betrieb, im Tarifgeschehen und in der Politik. Die Beschlüsse der Organisation sind gefasst, jetzt werden wir es gemeinsam in die Praxis führen. Diskriminierungsfreie Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, dafür werden wir weiter eintreten. Der demographische Wandel trifft uns alle, oder wie die Senior_innen beim Bundeskongress so passend formuliert haben: „Früher oder später bekommen wir euch alle!“. Über Altersvorsorge und die persönliche Sicherheit, unabhängig von Geschlecht und Beziehungsstatus nachzudenken, lohnt sich schon zu Beginn des Berufslebens. Der Austausch zwischen kämpferischen Erfahrungen und neuen Herangehensweisen, ist uns wichtig. Aktiv diskutieren, mitzugestalten und gemeinsam stark zu sein, dafür sprechen wir von Herzen, allen Interessierten eine Einladung aus, mit uns aktiv zu werden. In den Tarifkommissionen der Betriebe, in den Bezirksfrauenräten vor Ort und vernetzt über die Landesbezirksgrenzen hinweg.

Die nächste Chance, ist gar nicht so weit: Wir treffen uns vom 1. bis 3. April 2016 im ver.di-Bildungszentrum Clara Sahlberg in Berlin-Wannsee.

Diana Sgolik,
AG Frauen- und Gleichstellungspolitik im Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen

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