Reform der Pflegeausbildung

Austausch mit dem Familienministerium

Reform der Pflegeausbildung

Austausch mit dem Familienministerium

Zukunftsweisende Wege in der Ausbildung?

Wie kann die Attraktivität der Pflegeberufe gesteigert werden? Und welche Anforderungen bestehen an eine moderne, zeitgemäße Ausbildung? Zu diesen und weiteren drängenden Fragen fand am 21. Oktober 2015 in der ver.di-Bundesverwaltung ein Austausch unserer Expertinnen und Experten mit Dr. Matthias von Schwanenflügel und Dr. Tobias Viering aus dem Bundesfamilienministerium statt. In dem zweistündigen, konstruktiven Austausch wurde das Vorhaben der Bundesregierung, eine generalistische Ausbildung einzuführen, intensiv diskutiert. In einer guten Gesprächsatmosphäre wurden viele Aspekte des angekündigten Pflegeberufsgesetzes angesprochen, so auch die geplante Einführung einer hochschulischen Pflegeausbildung und die Zukunft der Pflegeberufe.

Generalistische oder integrierte Ausbildung?

Ziel der generalistischen Ausbildung soll sein, die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern. Doch die Sorgen der beteiligten Kolleginnen und Kollegen aus der Altenpflege und Gesundheits- und Krankenpflege sind groß. Wird die neue, einheitliche Ausbildung zu breit angelegt, steht die Berufsfähigkeit nach Abschluss der Ausbildung auf dem Spiel und zusätzliche Fort- oder Weiterbildungen werden benötigt. Breite statt Tiefe – aus Sicht der Kolleginnen und Kollegen ist dies nicht die richtige Antwort auf die bestehenden Herausforderungen. Um die notwendigen spezifischen Fachkenntnisse für die verschiedenen Versorgungsbereiche erwerben zu können, bedürfe es innerhalb der Ausbildung mindestens einer einjährigen Schwerpunktsetzung. Zudem seien entsprechend lange Praxiseinsätze vorzusehen, damit die betriebliche Anbindung gewährleistet wird.

Mehr Pflegefachkräfte erforderlich

Einig waren sich die Teilnehmer/-innen: In den kommenden Jahren müssen deutlich mehr Pflegefachkräfte ausgebildet werden. Es muss alles getan werden, dass es bei der Umstellung der Ausbildung keine Einbrüche bei den Ausbildungszahlen gibt und die Qualität der Ausbildung nicht leidet. Wichtige Voraussetzungen dafür sind, dass künftig niemand mehr für die Ausbildung zahlen muss, ein Umlageverfahren unter Einbeziehung aller Einrichtungsträger eingerichtet wird und die Qualität vor allem der praktischen Ausbildung verbessert wird.

Praxisanleitung stärken

Praxisanleiter/-innen und Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretungen erläuterten anhand von eindrücklichen Beispielen aus ihrem betrieblichen Alltag den enormen Handlungsbedarf, verbindliche und bundeseinheitliche Vorgaben zur Praxisanleitung einzuführen. Ihre Forderung: Mindestens 10 Prozent der praktischen Ausbildungszeit muss durch eine strukturierte, geplante Praxisanleitung stattfinden. Dafür bedürfe es einer ausreichenden Anzahl von Praxisanleiter/-innen mit entsprechender Zeit und Freistellungsmöglichkeiten. Sehr positiv aufgenommen wurde daher die Ankündigung, dass die Praxisanleitung mit dem Pflegeberufsgesetz gestärkt werden soll. Der konkrete Vorschlag bleibt abzuwarten.

Pflegeberufe aufwerten – Mehr Personal und bessere Bezahlung erforderlich

Deutlich wurde in dem Austausch: Eine Aufwertung der Pflegeberufe kann es nur mit einer besseren Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen durch mehr Personal geben. Dafür ist eine gesetzliche Personalbemessung erforderlich. Erste Schritte sind im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes II enthalten, weitere müssen folgen. Der Handlungsbedarf für die Pflegeberufe und die pflegerische Versorgung ist enorm. Umso wichtiger, dass die zentralen Weichen jetzt in die richtige Richtung gestellt werden.

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