Kirchen und Arbeitsrecht

Marienhaus: weiter aktiv für Entlastung

Klinikpersonal entlasten

Marienhaus: weiter aktiv für Entlastung

Beschäftigte des katholischen Klinikbetreibers im Saarland haben mit Streiks und Aktionen erstere Verbesserungen erreicht. Als nächstes wird die Vernetzung ausgebaut.
Demonstration durch Ottweiler am 11. Oktober 2017 ver.di Demonstration durch Ottweiler am 11. Oktober 2017

Mit ihren Streiks für Entlastung haben die Beschäftigten der Marienhausklinik im saarländischen Ottweiler im Oktober vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt. Inzwischen sind erste Erfolge sichtbar. So hat die katholische Unternehmensgruppe in einem Schreiben an die politisch Verantwortlichen erstmals zugegeben, dass etliche Pflegekräfte fehlen. Auf einigen Stationen hat das Management gemeinsam mit der Mitarbeitervertretung Maßnahmen ergriffen, die ein wenig Entlastung bringen. Doch die grundlegenden Probleme bleiben ungelöst. Die ver.di-Aktiven wollen deshalb weiter Druck machen. So, wie ihre Kolleginnen und Kollegen in der bundesweiten Bewegung für mehr Personal und Entlastung im Krankenhaus.

In einem Positionspapier an die angehenden Koalitionäre im Bund fordert der vornehmlich in Rheinland-Pfalz und im Saarland tätige Marienhaus-Konzern, die Pflegekräfte zu entlasten und die Refinanzierung zu verbessern. »Legt man die Zahlen des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung (zusätzlicher Bedarf rund 73.000 Vollzeitkräfte) zugrunde, würde sich für die Marienhaus Unternehmensgruppe ein Mehrbedarf von etwa 630 Vollzeit-Pflegestellen ergeben, bei derzeit etwa 4.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Pflege«, rechnet das katholische Unternehmen in dem Papier vor. Werde das Personal entsprechend aufgestockt, »würden sich die Stellen im Pflegedienst analog zum ärztlichen Dienst entwickeln«. Jährlich würden dafür etwa 35 Millionen Euro benötigt, für deren Refinanzierung die Politiker sorgen müssten.

Kleinere Verbesserungen erreicht

»Endlich nennt Marienhaus das Kind beim Namen und gibt zu, dass Pflegekräfte fehlen«, kommentiert der zuständige ver.di-Sekretär Ben Brusniak das Schreiben. »Wir unterstützen die Forderung nach einer besseren Refinanzierung voll und ganz«, betont der Gewerkschafter. »Doch schon jetzt trägt der Arbeitgeber die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass die Arbeit in den Marienhaus-Kliniken nicht krank macht.«

Auch Tim Umhofer, der als Krankenpfleger in der Ottweiler Klinik arbeitet, begrüßt die Aussagen der Unternehmensleitung. »Unsere Aktionen und Streiks haben offenbar ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass es in der Pflege so nicht weitergeht.« Das zeigten auch Gespräche zwischen Mitarbeitervertretung und Geschäftsleitung, bei denen kleinere Verbesserungen erreicht wurden. So soll auf einigen Stationen mittags zusätzliches Personal eingesetzt werden, um bei der Medikamentenvergabe zu helfen. Entlastet werden sollen die Pflegekräfte auch dadurch, dass sie Patient/innen künftig nicht mehr selbst zu Untersuchungen bringen müssen. »Das sind alles richtige Maßnahmen, doch das Grundproblem lösen sie nicht«, meint Umhofer.

Deshalb wollen die Pflegekräfte in dem katholischen Krankenhaus – von denen sich viele im Zuge der Auseinandersetzung ver.di angeschlossen haben – weiter Druck machen. Natürlich könnten sie das Aktivitätsniveau vom Oktober nicht pausenlos aufrecht erhalten, erläutert Krankenpfleger Umhofer. »Aber wir bleiben aktionsbereit.« Weiterhin treffen sich die Pflegekräfte regelmäßig zu »Entlastungs-Stammtischen«, um über ihre Situation und die nächsten Schritte zu diskutieren. So wollen sie unter anderem die Vernetzung der Beschäftigten bei Marienhaus und anderen katholischen Trägern vorantreiben. Im Juni soll hierzu ein größeres Treffen stattfinden.

  • 1 / 3

Weiterlesen