Klinikpersonal entlasten

ver.di erhöht die Schlagzahl

Klinikpersonal entlasten

ver.di erhöht die Schlagzahl

ver.di meint es ernst: Beschäftigte in den Krankenhäuser brauchen Entlastung durch mehr Personal. Das haben Kolleginnen und Kollegen verschiedener Kliniken am 10. Oktober 2017 durch Streiks deutlich gemacht, die dieses Mal zwei Tage andauern sollen. Am zweiten Streiktag wollen sich erstmals auch Beschäftigte einer katholischen Einrichtung anschließen: der Marienhausklinik im saarländischen Ottweiler. Zugleich setzen Pflegekräfte vieler weiterer Krankenhäuser kollektiv Grenzen, indem sie Überstunden, Einspringen aus dem Frei oder ärztliche Tätigkeiten verweigern.

10.10.2017: Streik an der Uniklinik Düsseldorf ver.di 10.10.2017: Streik an der Uniklinik Düsseldorf

Am Düsseldorfer Uniklinikum haben Pflegekräfte und Beschäftigte ausgegliederter Servicefirmen erneut gemeinsam gestreikt – die Beschäftigten der Muttergesellschaft für Entlastung, die Dienstleister dafür, dass sie überhaupt tarifvertraglich abgesichert sind. »Die Klinikleitung hat versucht, die Kollegen vom Streik abzuhalten, zum Beispiel indem plötzlich etliche Eingriffe zu "Notfällen" oder "dringlichen" OPs erklärt wurden«, berichtet ver.di-Sekretär Jan von Hagen. Das habe aber nur zu Empörung und noch höherer Streikbereitschaft geführt. Die rund 500 Streikenden forderten mit einer Kundgebung vor einer Sitzung des Aufsichtsrats, dass das Gremium seiner Überwachungsfunktion nachkommt. »Der Klinikvorstand trifft zwei falsche Entscheidungen: 700 Beschäftigte in den Servicegesellschaften sind vom Tarifvertrag abgekoppelt und der Personalmangel in der Pflege führt dazu, dass wichtige Aufgaben nicht ausgeführt werden können«, erklärt Jan von Hagen. »Dagegen muss der Aufsichtsrat einschreiten.«

10.10.2017: Streik an der Uniklinik Gießen/Marburg ver.di 10.10.2017: Streik an der Uniklinik Gießen/Marburg

Am Uniklinikum Gießen und Marburg hat die Streikbeteiligung deutlich zugenommen, so ver.di-Sekretär Fabian Rehm. Die Beschäftigten des zum Rhön-Konzern gehörenden Klinikums hatten bereits im September für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. Dieses Mal soll der Ausstand noch einen Tag länger dauern. Am Mittwoch (11. Oktober) versammeln sich die Streikenden beider Standorte zu einer gemeinsamen Demonstration in Gießen. Eine Reihe von Betten können wegen des Ausstands nicht belegt werden. Pflegekräfte, die wegen des Notdienstes auf ihrer Station bleiben müssen, beteiligen sich durch die Verweigerung ärztlicher Tätigkeiten an der Aktion.

Im städtischen Klinikum Frankfurt-Höchst wurde eine psychiatrische Station wegen des Streiks geschlossen. Alle anderen liefen nur mit Notbesetzung. »Die Leute sind richtig motiviert, besonders von den Auszubildenden haben sich viele beteiligt«, sagt ver.di-Vertrauensleutesprecher Rudolf Schoen. »Das zeigt: Sie sind bereit, sich für eine bessere Praxisanleitung und mehr Personal zu engagieren.« Am Mittwoch wollen die rund 150 Streikenden Beschäftigte von vier anderen Frankfurter Krankenhäusern besuchen und über die Bewegung für Entlastung informieren. Zudem ist eine Protestaktion vor der Zentrale des Kommunalen Arbeitgeberverbands geplant, der Verhandlungen über einen Tarifvertrag weiterhin verweigert.

Das KRH Klinikum Region Hannover hat der September-Streik hingegen veranlasst, in Gespräche mit ver.di einzutreten. »Das ist ein Erfolg unserer Aktionen«, ist die ver.di-Vertrauensleutesprecherin Regina Wagener überzeugt. »Ganz offensichtlich wollte die Geschäftsführung einen weiteren wirtschaftlichen Schaden vermeiden.« An den Standorten des kommunalen Krankenhausverbunds waren wegen des Streiks am 19. September insgesamt 27 OP-Säle komplett geschlossen worden. Am 19. Oktober sollen die Gespräche beginnen. »Mit kosmetischen Maßnahmen werden wir uns nicht abspeisen lassen«, kündigte Wagener an. »Wir brauchen wirkliche Entlastung.«

Pflegekräfte mit Plakaten in der Hand ver.di 10.10.2017: Aktion an einer baden-württemberger Uniklinik

Das fordern auch die Pflegekräfte in den Kliniken Konstanz und Radolfzell am Bodensee. In Konstanz haben sich alle acht Teams das Versprechen gegeben, sich an den ver.di-Aktionen zu beteiligen und nicht mehr außerhalb des Dienstplans einzuspringen. Das ist auch bitter nötig. Denn auf einer Station waren kürzlich in einer Frühschicht nur vier Pflegekräfte für 49 Patientinnen und Patienten zuständig. »Die Kolleginnen haben gesagt: Jetzt ist Schluss. Sie springen nicht mehr ein und nehmen sich ihre gesetzlich vorgeschriebenen Pausen«, erklärt Sylvia Nosko, Geschäftsführerin des ver.di-Bezirks Schwarzwald-Bodensee. In der Folge konnten über die Hälfte der Betten auf der betreffenden Station nicht mehr belegt werden. »In Konstanz und Radolfzell stehen die Kolleginnen und Kollegen zusammen«, betont die Gewerkschafterin. »Sie wollen diesen Irrsinn nicht länger mitmachen.« Bereits am Montag zogen acht Pflegekräfte die Konsequenz und traten ver.di bei. »Sie sehen, dass es Sinn macht und nötig ist, sich zu organisieren.«

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