Klinikpersonal entlasten

Offensiv und mit Nachdruck

Klinikpersonal entlasten

Offensiv und mit Nachdruck

ver.di zieht positive Zwischenbilanz der Klinikstreiks - Erstmals wurde katholisches Krankenhaus bestreikt

Pressemitteilung vom 11.10.2017. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) zieht eine positive Zwischenbilanz der Streiks für einen Tarifvertrag Entlastung in Krankenhäusern. Beschäftigte in sechs Kliniken waren gestern in einen 48-stündigen Ausstand getreten. Erstmals haben sich heute (11. Oktober) auch Beschäftigte eines konfessionellen Krankenhauses, der Marienhausklinik Ottweiler (Saarland), dem Streik angeschlossen. Zuvor hatte die Klinikleitung erfolglos versucht, die Arbeitsniederlegung mit der Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen zu verhindern. Die Beschäftigten der Klinik stellten in einem offenen Brief klar, die Entscheidung zu streiken sei ihnen nicht leichtgefallen. "Wir waren lange genug still," heißt es in dem Schreiben. Bisher hätten sie "gemeckert, aber letztendlich doch weitergemacht", damit müsse Schluss sein.

"Beschäftigte kirchlicher Krankenhäuser leiden genauso unter der Personalnot, wie in öffentlichen oder privaten Kliniken. Sie haben das gleiche Recht, sich zu wehren, wie alle anderen Arbeitnehmer," sagte Sylvia Bühler, das für Gesundheitspolitik zuständige Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). "Ebenso wie die Beschäftigten anderer Kliniken fällt es ihnen angesichts der Not der Patienten schwer, Grenzen zu setzen und für die eigenen Interessen aufzustehen", so Bühler. Die Streikbereitschaft in den sieben Kliniken bewertet Bühler positiv: "Die Beteiligung an den Streiks zeigt: Immer mehr Beschäftigte setzen sich offensiv und mit Nachdruck für eine spürbare Entlastung im Krankenhaus ein." Weitere Streiks seien nicht ausgeschlossen. "Wir erhöhen die Schlagzahl", kündigte Bühler an. Der Streik zeige bereits Wirkung: So habe das Uniklinikum Gießen/Marburg die Aufnahme von Tarifverhandlungen angeboten. Zudem hätten auch einige Arbeitgeber, die im September bestreikt worden waren, inzwischen Gesprächsbereitschaft signalisiert und wären deshalb vom Streik ausgenommen worden.

Indes zeigten sich viele Krankenhäuser uneinsichtig. "Immer häufiger verweisen Arbeitgeber auf anstehende politische Regelungen", so Bühler. "Das ist ein durchschaubares Manöver, denn die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) tut gerade alles, um eine wirksame politische Lösung zu verhindern." Das Problem der extremen Belastung sei offensichtlich und sie erwarte nun endlich einmal konkrete Lösungsvorschläge der Arbeitgeber. "Wir laden die Arbeitgeber - ob privat, öffentlich oder kirchlich - ein, gemeinsam mit uns während der Koalitionsverhandlungen ihren Einfluss zu nutzen, damit die zu schaffenden Stellen auch finanziert werden."

Pflegekräfte mit Plakaten in der Hand ver.di 10.10.2017: Aktion an einer baden-württemberger Uniklinik

Auch in den Kliniken, die sich nicht im Streik befunden hätten, sei der Druck durch die Beschäftigten erhöht worden. Parallel hätten an den beiden Tagen Aktionen in zahlreichen Häusern stattgefunden. "Die Beschäftigten sind nicht länger bereit, den Personalmangel auf Kosten ihrer Gesundheit auszugleichen", so Bühler. Die Personaldecke in den meisten Krankenhäusern sei so dünn, dass das sogenannte "Einspringen aus dem Frei" alltäglich geworden ist. Stationsteams aus Krankenhäusern in ganz Deutschland verweigern deshalb demonstrativ die ständigen Eingriffe in ihre Zeit- und Lebensplanung. "Es ist gut, dass die Kolleginnen und Kollegen Grenzen setzen, selbstbewusst für ihre Interessen eintreten und so ein klares Signal an Arbeitgeber und Politik senden: So kann es nicht weitergehen", sagte das ver.di-Vorstandsmitglied.

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