Tarifvertrag Entlastung

Hessen: Auf dem Weg zum Tarifvertrag Entlastung

Tarifvertrag Entlastung

Hessen: Auf dem Weg zum Tarifvertrag Entlastung

Bundesweit bereiten sich Krankenhausbelegschaften darauf vor, gegen Arbeitsüberlastung in Aktion zu treten. So auch in Hessen. Am 22. September 2016 kamen gut 70 Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertreter in Frankfurt am Main zu einer Auftaktkonferenz zusammen. Ihr Ziel: Entlastung per Tarifvertrag.

»Die Politik ist in der Verantwortung, eine sichere Gesundheitsversorgung zu schaffen«, stellte Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand in ihrem Redebeitrag klar. Deshalb lasse die Gewerkschaft nicht nach, vom Bundesgesundheitsminister gesetzliche Standards bei der Personalausstattung einzufordern. Weil aber die Arbeitssituation in vielen Krankenhäusern extrem belastend ist, startet ver.di mit dem Projekt »Tarifvertrag Entlastung« – und zwar bundesweit und trägerübergreifend. »So etwas haben wir noch nie gemacht, das ist gewerkschaftliches Neuland«, betonte die Gewerkschafterin. »Wir laufen los und lernen im Gehen.«

Björn Borgmann vom Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) zeigte sich überzeugt: »Das Thema trifft den Nerv der Leute.« Dennoch werde es kein Selbstläufer. »Das wird eine ganz harte Auseinandersetzung, die Arbeitgeber werden uns nichts schenken«, warnte der Konzernbetriebsratsvorsitzende der Rhön AG. Die ver.di-Aktiven müssten deshalb »Klinken putzen«, zu den Beschäftigten gehen, mit ihnen reden und sie davon überzeugen, dass Veränderungen möglich sind, wenn wir es gemeinsam anpacken.

Einige Teilnehmer/innen zeigten sich skeptisch, ob die Klinikbeschäftigten für eine solche Tarifbewegung mobilisierbar sind. Ihnen hielt Ralph Stiepert, ver.di-Vertrauensleutesprecher am Klinikum Kassel, entgegen: »Wer mit dem Thema ein Mal auf eine Stationsbesprechung geht, wird sehen: Da gibt es eine ganz positive Stimmung.« Die ver.di-Forderungen kämen in der Belegschaft gut an. Die zentralen Ziele sind klar: mehr Personal, verlässliche Arbeitszeiten und Ausgleich von Belastungssituationen – zum Beispiel durch zusätzliche freie Tage nach Bereitschaftsdienst oder Nachtarbeit. Eine Reihe von Teilnehmer/innen der Konferenz betonte, nicht nur die Pflege, sondern alle Berufsgruppen müssten in die Tarifbewegung einbezogen werden.

Intensiv wurde darüber diskutiert, wie die Beschäftigten für die Idee des Tarifvertrags Entlastung angesprochen und gewonnen werden können. Eine Kollegin aus den Lahn-Dill-Kliniken berichtete, die ver.di-Betriebsgruppe habe Postkarten verteilt mit der schlichten Frage »Wie geht es dir?« – mit Smileys zum Ankreuzen. »Die Leute fanden es total toll, überhaupt mal gefragt zu werden, wie es ihnen geht.« Eine Aktion zum Nachmachen. Ebenso das Vorgehen im Kreiskrankenhaus Heppenheim, wo der Betriebsrats durch den Einsatz seiner Mitbestimmungsrechte durchgesetzt hat, dass im Nachtdienst niemand mehr allein arbeiten muss.

Fest steht: Auch Hessens Krankenhausbelegschaften werden sich am Tarifprojekt Entlastung beteiligen. »Die Überlastung ist das zentrale Problem, mit dem die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb konfrontiert sind«, erklärte ver.di-Landesfachbereichsleiter Georg Schulze-Ziehaus. Hessen sei Teil einer bundesweiten Bewegung. Ihr Ziel: Für möglichst viele Beschäftigte Tarifverträge zur Entlastung abzuschließen, unabhängig davon, ob es sich um staatliche, private oder kirchliche Häuser handelt. Für den ver.di-Fachbereich werde dies das Top-Thema im Jahr 2017 sein, kündigte Schulze-Ziehaus an. »Entscheidend wird sein, mit den Kolleginnen und Kollegen zu sprechen, um betriebliche Stärke aufzubauen. Die Überzeugungsarbeit und die Suche nach Aktiven beginnt jetzt.«

(Daniel Behruzi, Frankfurt am Main)

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