Klinikpersonal entlasten

»Beteiligung noch besser als erwartet«

Klinikpersonal entlasten

»Beteiligung noch besser als erwartet«

Streik am Klinikum Augsburg am 25. September 2017 ver.di Augsburg Streik am Klinikum Augsburg am 25. September 2017

ver.di macht weiter mobil gegen die Überlastung der Krankenhausbeschäftigten. Am 25. September 2017, dem Tag nach Bundestagswahl, legten mehr als 400 Kolleginnen und Kollegen am Klinikum Augsburg die Arbeit nieder, um für einen Tarifvertrag Entlastung zu demonstrieren. Die Aktion zeige, »dass immer mehr Beschäftigte bereit sind, sich mit gewerkschaftlichen Mitteln für eine Verbesserung ihrer Arbeitssituation und der Patientenversorgung einzusetzen«, erklärte Bayerns ver.di-Landesfachbereichsleiter Robert Hinke.

Der zuständige Gewerkschaftssekretär Stefan Jagel sagte, die Streikbeteiligung sei »noch besser, als wir erwartet hatten«. 13 von 21 OP-Sälen wurden infolge der Arbeitsniederlegung geschlossen, 200 von 1.751 Betten konnten nicht belegt werden. Der ursprünglich für vergangenen Dienstag geplante Warnstreik war wegen Differenzen über die Notdienstvereinbarung um eine Woche verschoben worden. Seither habe die Streikbereitschaft von Tag zu Tag zugenommen, berichtete Jagel. Grund sei die schlechte Personalausstattung, die zur permanenten Überlastung der Beschäftigten führe. »Zu wenig Personal heißt zu wenig Zeit. Die ständige Zeitnot macht die Beschäftigten krank«, kritisierte der Gewerkschafter. »Eine gute Gesundheitsversorgung ist unter diesen Umständen nicht möglich.« Das gelte für alle Krankenhäuser, ob in öffentlicher oder privater Trägerschaft. Deshalb habe ver.di bundesweit Kliniken verschiedener Träger zu Tarifverhandlungen über Entlastung aufgefordert.

Streik am Klinikum Augsburg am 25. September 2017 ver.di Streik am Klinikum Augsburg am 25. September 2017

 

Konkret fordert die Gewerkschaft unter anderem, dass eine Mindestpersonalausstattung im Tarifvertrag festgeschrieben wird. Falls die tarifvertraglichen Vorgaben nicht eingehalten werden, sollen Regelungen zum Belastungsausgleich greifen. Zudem soll sich die Ausbildungsqualität verbessern, beispielsweise durch die Freistellung von Ausbilder/innen für die Zeit der praktischen Anleitung von Auszubildenden.

In den vergangenen Wochen haben sich bereits die Belegschaften etlicher Krankenhäuser in allen Regionen der Bundesrepublik an Aktionen für mehr Personal beteiligt – zum Beispiel beim »Aktionstag Händedesinfektion« am 12. September 2017. Eine Woche später traten Beschäftigte in acht Krankenhäusern in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen für Tarifverträge zur Entlastung in den Warnstreik. An der Charité lief der Ausstand die ganze Woche. Die Beschäftigten des Berliner Uniklinikums fordern die Verbesserung und Weiterführung des Tarifvertrages für Gesundheitsschutz, den sie mit einem zweiwöchigen Streik 2015 erkämpft haben. ver.di will durchsetzen, dass die Vereinbarung verbindlich und einklagbar wird.

In den ersten Tagen konnten sich viele streikbereite Kolleg/innen nicht beteiligen, weil sich die Charité weigerte, eine Notdienstvereinbarung zu unterschreiben, die Betten- und Stationsschließungen ermöglicht. Mitte der Streikwoche gab die Klinikleitung dem öffentlichen Druck schließlich nach und unterzeichnete die Vereinbarung, die es Pflegekräften ermöglicht, ihr Grundrecht auf Streik wahrzunehmen ohne eine Patientengefährdung in Kauf nehmen zu müssen. Bezogen auf die Tarifforderungen zeigte der Arbeitgeber bislang allerdings keine Kompromissbereitschaft, weshalb in den kommenden Wochen erneut mit Streiks am Berliner Uniklinikum zu rechnen ist. Auch in anderen Krankenhäusern sind weitere Arbeitsniederlegungen im Oktober nicht ausgeschlossen, wenn die betreffenden Arbeitgeber nicht bereit sind, über Tarifverträge zur Entlastung zu verhandeln.

 

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