Tarifvertrag Entlastung

Bayern: "Die Solidarität ist gestärkt"

Tarifvertrag Entlastung

Bayern: "Die Solidarität ist gestärkt"

Tarifvertrag Entlastung: Kampagnenrat in Bayern nimmt Arbeit auf
ver.di Tarifvertrag Entlastung: Kampagnenrat in Bayern nimmt Arbeit auf

Bayern läuft sich warm für die Tarifrunde Entlastung. Im November sollen die Klinikbeschäftigten zu ihren dringendsten Anliegen befragt werden. Am 25. November kommen Kolleginnen und Kollegen aus Bayerns Krankenhäusern zu einer Kick-off-Konferenz in München zusammen. Dabei werden sie auch ihre Streikerfahrungen aus der letzten Tarifrunde einbringen, als einige Stationen ganz dicht gemacht wurden – zum Beispiel in der Kreisklinik Günzburg.

»Die Tarifrunde im öffentlichen Dienst hat gezeigt: Das Gehalt ist den Kolleginnen und Kollegen wichtig, aber ihr größtes Anliegen ist es, endlich die Arbeitsbedingungen zu verbessern«, sagt Helga Springer-Gloning, Personalratsvorsitzende der Günzburger Kreisklinik in der Nähe von Augsburg. Viele, die sich am zweitätigen Streik Ende April beteiligten, hätten dies vor allem als Vorbereitung der Tarifrunde Entlastung gesehen. Zugleich demonstrierten die Kolleginnen und Kollegen, zu was sie in der Lage sind: In Günzburg musste eine unfallchirurgische Station ganz, eine gefäßchirurgische Station zur Hälfte schließen. 55 der 240 Betten konnten nicht belegt werden.

Auch in vier anderen Krankenhäusern der Region Augsburg erprobten die Belegschaften die aus der Berliner Charité bekannte Methode der Betten- und Stationsschließungsstreiks – mit großem Erfolg. So wurde in den Kliniken Donauwörth und Nördlingen jedes dritte Bett stillgelegt. Die Streikbeteiligung in den betroffenen Kliniken verzehnfachte sich im Vergleich zur Tarifrunde 2014.

»Das erzeugt zum einen wirtschaftlichen Druck, zum anderen hat es aber auch die Solidarität in der Belegschaft gestärkt«, berichtet Springer-Gloning. »Die anderen Stationen haben gesehen, dass es geht.« Beim nächsten Mal werden noch weitere Teams ihre Station zur Schließung anmelden, ist die Gewerkschafterin überzeugt.

Eine Erfahrung ist, dass vor allem Chef- und Oberärzte Druck auf die Pflegekräfte ausübten, nicht in Streik zu treten. In solchen Situationen sei die Unterstützung durch andere ver.di-Aktive sehr wichtig. »Letztlich haben die Chefs aber das Gegenteil erreicht und die Streikbereitschaft noch weiter angefacht«, so Springer-Gloning.

Entscheidend für den Erfolg waren auch die Tarifdelegierten, die von den Teams benannt werden. Die Delegierten aus der Region trafen sich vor und während des Streiks regelmäßig, um Vorgehen, Forderungen und rechtliche Fragen zu diskutieren. Das war wichtig, um auf bestreikten Stationen den Druck von Chefärzten und Managern aushalten zu können. In Günzburg ist derzeit jedes vierte Team von einem Tarifdelegierten repräsentiert. »Wir sind mitten dabei, das auszuweiten«, erklärt Springer-Gloning.

Die gelernte Krankenschwester sieht die Fragebogenaktion im November als ein Mittel, mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen und das Engagement so weiter zu steigern. Am 25. November will sie mit möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen zur Kick-off-Konferenz nach München fahren. »Wir brauchen verbindliche Soll-Besetzungen auf den Stationen, Nachtdienst mit mindestens zwei Pflegekräften und eine Quote von maximal zwei Patienten auf eine Pflegekraft im Intensivbereich«, umreißt Springer-Gloning zentrale Ziele der Tarifbewegung.

Zudem müsse die Personalnot im Krankenhaus in der Öffentlichkeit noch stärker zum Thema werden. Die ver.di-Aktiven in Günzburg wollen dafür unter anderem Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie Stadt- und Kreisräte oder Bundes- und Landtagsabgeordnete aus der Region als Bündnispartner gewinnen. Es sei höchste Zeit für das von ver.di geforderte Gesetz zu Personalstandards im Krankenhaus. »Dafür setzen wir uns weiter ein – mit einem langen Atem, aber ohne Geduld.«

Daniel Behruzi

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