Klinikpersonal entlasten

Mit Macht für Entlastung

Krankenhäuser

Mit Macht für Entlastung

Klinikpersonal entlasten. Aktivenkonferenz am 17. Juni 2017 in Kassel Astrid Sauermann Klinikpersonal entlasten. Aktivenkonferenz am 17. Juni 2017 in Kassel

»Wir bohren ein dickes Brett«, stellte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler zum Auftakt einer Konferenz von Aktivist/innen aus Krankenhäusern am 17. Juni 2017 in Kassel fest. Gegen die Gewerkschaftsforderung nach gesetzlichen Personalvorgaben im Krankenhaus gebe es viele Widerstände. Denn es gehe um viel Geld. Und um die grundsätzliche Entscheidung, »ob sich die Gesellschaft dem Wettbewerb unterordnet oder ob sie das humane Antlitz verteidigt«. ver.di setze alles daran, Letzteres zu erreichen.

»Es ist höchste Zeit, laut zu werden und uns in die Politik einzumischen«, appellierte Bühler an die rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet. Mit vielfältigen Aktionen hat ver.di in den vergangenen Monaten Druck gemacht, um mehr Personal in die Krankenhäuser zu bringen. Das hat schon viel in Bewegung gesetzt – auch bei der Bundesregierung, die in einigen Bereichen der Pflege Personaluntergrenzen auf den Weg gebracht hat.

Den politischen Druck will ver.di im Bundestagswahlkampf noch verstärken. Zugleich werden bundesweit 20 Kliniken zu Tarifverhandlungen über Entlastung und mehr Personal aufgefordert. In 80 weiteren Häusern setzen Beschäftigte der Überlastung auf betrieblicher Ebene Grenzen.

Klinikpersonal entlasten. Aktivenkonferenz am 17. Juni 2017 in Kassel Astrid Sauermann Klinikpersonal entlasten. Aktivenkonferenz am 17. Juni 2017 in Kassel

Die lebendigen Diskussionen im Plenum und in den Workshops zeigten, wie groß das Bedürfnis ist, sich zu vernetzen und auszutauschen. Stets stand dabei im Vordergrund, wie die Beschäftigten, insbesondere Pflegekräfte, für Entlastung mobilisiert werden können. Damit gibt es bereits etliche gute Erfahrungen. So haben die ver.di-Aktiven am Allgemeinen Krankenhaus Celle einen »Mittwochstreff« ins Leben gerufen: Jeden Mittwoch kommen die Kolleginnen und Kollegen direkt nach der Frühschicht für eine Viertelstunde zusammen, um neue Ideen und Initiativen zu diskutieren. »Wir hoffen, dass sich mehr und mehr Leute daran beteiligen«, erklärte die Gewerkschafterin Marion Wichmann. »Denn eins ist klar: Ohne die breite Masse werden wir nichts erreichen.«

Um Aktivierung und Vernetzung geht es auch beim »Entlastungscafé«, zu dem Beschäftigte verschiedener Kliniken in Leipzig zusammenkommen. »Daran nehmen regelmäßig Kolleginnen und Kollegen aus drei, vier Krankenhäusern teil«, berichtete die Krankenpflegerin Katharina Stierl. »Man erlebt, dass alle die gleichen Probleme haben, und diskutiert, was wir gemeinsam dagegen tun können.«

Nicht nur Klinikbeschäftigte beteiligen sich am kürzlich gegründeten »Hamburger Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus«. Auch Patientenvertreter/innen, verschiedene Organisationen und etliche Einzelpersonen haben sich angeschlossen, um ihre Unterstützung für die ver.di-Forderungen zu zeigen. »Das stärkt auch die Kolleginnen und Kollegen auf den Stationen«, ist Meike Saerbeck von der Asklepios-Klinik St. Georg überzeugt.

Entscheidend sei, dass sich die Pflegekräfte selbst für ihre Interessen einsetzten, betonte der saarländische ver.di-Sekretär Michael Quetting. Sein Vorschlag: Die Beschäftigten hunderter Stationen machen zeitgleich deutlich, dass das Personal nicht reicht, um die vorgeschriebene Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Möglichst viele Teams sollen dem Arbeitgeber mitteilen, dass sie am 12. September 2017 ihre Hände vorschriftsmäßig desinfizieren werden – und wie viel zusätzliches Personal sie dafür brauchen. »Wir machen den Skandal sichtbar, dass das Personal nicht einmal für solch grundlegende Aufgaben reicht«, erläuterte Quetting. Die Diskussion darüber müsse in die Teams getragen werden – nicht erst am 12. September, sondern ab sofort.

Bundesweit haben sich Krankenhausbeschäftigte auf den Weg gemacht. Besonders erfolgreich sind sie im Saarland, wo ver.di im Zuge der Auseinandersetzung bislang 671 neue Mitglieder gewonnen hat. »Auf meiner Station sind wir von 4 auf 16 Organisierte angewachsen«, berichtete Katja Gerhart von den SHG-Kliniken Sonnenberg. »Es ist ein enormer Zusammenhalt spürbar. Wir wollen nicht mehr zusehen, dass die Pflege den Bach runter geht, dass Pflegekräfte in den Burn-out gehen oder aus dem Beruf verschwinden, weil sie es nicht mehr aushalten.«

An der Homburger Uniklinik hat ver.di zuletzt 200 neue Mitglieder gewonnen. »Das beeindruckt auch den Arbeitgeber«, erklärte die Gesundheits- und Krankenpflegerin Daniela Kappes. »Wir wissen, dass wir stark sind. Wenn wir wollen, können wir auch streiken – das haben wir dem Arbeitgeber klar vermittelt.« Um das zu vermeiden, hat die Klinikleitung Verhandlungen mit ver.di über einen Tarifvertrag Entlastung aufgenommen. »Wir sind motiviert und haben einen langen Atem, das durchzuziehen«, stellte die Gewerkschafterin klar.

Die Kasseler Konferenz hat deutlich gemacht: Die Bewegung für mehr Personal im Krankenhaus nimmt Fahrt auf. »Die Beschäftigten haben die Macht, Verbesserungen durchzusetzen«, betonte die ver.di-Fachbereichsleiterin Sylvia Bühler. »Diese Macht nutzen wir. Wir verschaffen uns jetzt Respekt.«

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