Klinikpersonal entlasten

Streik mit Signalwirkung

Internationale Solidarität

Streik mit Signalwirkung

Jan Willem Goudriaan, Generalsekretär der europäischen Gewerkschaft EGÖD, hat eine Solidaritätserklärung an ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler gesendet. Die europäischen Gewerkschaften unterstützen die Auseinandersetzungen im mehr Personal im Krankenhaus ohne Einschränkungen. Hier die Erklärung im Wortlaut:

An die Streikenden der Charité und an alle, die sich für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Personal und dessen Entlastung im Krankenhaus einsetzen

Liebe Sylvia, liebe ver.di-Kolleginnen und -Kollegen, liebe Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern in Deutschland,

im Namen von Millionen europäischer Arbeitnehmer/-innen in den Gesundheits- und Sozialdiensten bekunden wir unsere Solidarität mit eurem Kampf für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen und für mehr Personal in der Charité und in anderen Krankenhäusern in Deutschland. ver.di hat eine breite Bewegung für mehr Personal und Entlastung der Beschäftigten in den Krankenhäusern gestartet und fordert mehr Personal, einen Tarifvertrag zur Verringerung der Arbeitsbelastungen und der psychosozialen Risiken und zwingend sichere und effektive Personalvorgaben für alle Beschäftigten in Krankenhäusern auf der Basis nationaler Rechtsvorschriften. Bei diesen richtigen Forderungen geht es um den Respekt gegenüber den Beschäftigten und um die Anerkennung ihrer Arbeit.

Der EGÖD unterstützt Euch bei dieser Auseinandersetzung ohne Einschränkungen. Wir wollen Stress und Belastungen am Arbeitsplatz verringern und Risiken für die Gesundheit und die Sicherheit unserer Kollegen/-innen verhindern. Und das hat Priorität für die Gewerkschaften in Europa. Wir kommen zwar aus unterschiedlichen Ländern, aber wir kämpfen denselben Kampf.

Wir kommen zwar aus unterschiedlichen Ländern, aber wir kämpfen denselben Kampf.

Jan Willem Gourdriaan, EGÖD

Mit ver.di in Deutschland und den Gewerkschaften in ganz Europa wehren wir uns gegen Kommerzialisierung, Privatisierung und Liberalisierung. Wir beobachten mit großer Sorge die „Shopping-Tour“ großer Unternehmen des Gesundheitssektors wie zum Beispiel von Helios. Diese Konzerne untergraben die gemeinwohlorientierte Struktur unserer Gesundheitsversorgung und damit auch deren Finanzierung auf der Grundlage des Solidaritätsprinzips. Für private Unternehmen stehen letztlich die Gewinne an erster Stelle, nicht das Wohl der Patienten/-innen und der Beschäftigten. Die Gewerkschaften Europas stehen deshalb Seite an Seite mit ver.di und unterstützen euch in eurem Kampf für verpflichtende Personalvorgaben. Wir fordern überall in Europa qualitativ hochwertige Gesundheitssysteme als wichtige Pfeiler der Daseinsvorsorge und eine soziale Infrastruktur, die den Zugang aller Bürger und Bürgerinnen zu einer bezahlbaren Gesundheitsversorgung garantiert und auf die Verringerung von Ungleichheiten in der Gesundheitsversorgung abzielt.

 

Regierungen haben Gesundheitsetats gekürzt oder eingefroren und damit wissentlich schlechtere Löhne und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten in Kauf genommen. Die Austeritätsmaßnahmen gehen auf Kosten der Sicherheit und der Qualität der Dienstleistungen für die Patienten/-innen und stellt eine hochwertige Gesundheitsversorgung in Frage. Gewerkschaften in den baltischen Staaten in der Tschechischen Republik, in Frankreich, Polen und Rumänien, in Belgien, dem Vereinigten Königreich und Irland und auch in Spanien und Italien kämpfen deshalb ebenfalls für mehr Personal, gegen weitere Arbeitsverdichtung, für die Verhinderung von Burnouts und langen krankheitsbedingten Fehlzeiten sowie für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. Streiks und Mobilisierungsaktionen haben vor kurzem in Irland, Norwegen, Polen und der Ukraine stattgefunden.

Als europäische Gewerkschaften und gemeinsam mit anderen Organisationen fordern wir ein Ende der Austeritätspolitik auf nationaler und europäischer Ebene. Wir wollen eine Politik der verstärkten öffentlichen Investitionen in qualitativ hochwertige Gesundheits- und Sozialdienste. Wir wollen eine Politik, die sich für höhere Löhne einsetzt, denn die europäischen Arbeitnehmer/-innen verdienen eine bessere Bezahlung und Behandlung. Die europäischen Gewerkschaften arbeiten gemeinsam für eine Gesellschaft, die Ausbeutung, Niedriglöhne und körperlich wie psychisch belastende Arbeitsbedingungen nicht mehr zulässt. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass das Wohlergehen der Beschäftigten und der Patienten/-innen wieder an erster Stelle steht. Wir wissen, dass wir unsere Ziele gemeinsam durchsetzen und das Leben der Beschäftigten und der Patienten/-innen verbessern können. Die Gewerkschaften in Europa und euer Gewerkschaftsverband für den öffentlichen Dienst (EGÖD) stehen fest an eurer Seite. „There is power in a union“ für die Durchsetzung von Personalvorgaben. Gemeinsam können wir unsere Ziele erreichen!

Eure aktuellen und für September und Oktober vorgesehenen Aktionen, die umfassende Mobilisierung eurer Mitglieder und der Arbeitnehmer/-innen in den Krankenhäusern sowie konkrete Streiks, Medienkampagnen und andere Aktionen von ver.di werden auch in und für Europa eine deutliche Signalwirkung haben.

Wir wünschen euch einen erfolgreichen Kampf!

Jan Willem Goudriaan

EGÖD Generalsekretär

Brüssel, 18. September 2017

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