Arbeit in Europa

Fachkräftemangel und Entwicklungsländer

Brain-Drain durch Anwerbung von Gesundheitsfachkräften

Die "Plattform für globale Gesundheit" sind: verschiedene im Gesundheitswesen tätige zivilgesellschaftliche Akteure, die sich 2011 zur „Plattform für Globale Gesundheit“ zusammengefunden haben. Ziel ist es, die Bedingungen der fortschreitenden Internationalisierung der Lebensbedingungen und den engen Zusammenhang zwischen globalen und lokalen Einflussfaktoren von Gesundheit stärker ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. An der Plattform sind Gewerkschaften und so auch ver.di, Sozial- bzw. Wohlfahrtsverbände, entwicklungs- wie migrationspolitische Organisationen, Wissenschaft, soziale Projekte und Bewegungen beteiligt.

Unter diesem Titel hat die „Deutsche Plattform für globale Gesundheit“ (dpgg) ein Diskussionspapier erarbeitet. Es befasst sich mit dem Zusammenhang von Fachkräftemangel im Gesundheitswesen in entwickelten Industrienationen und den Konsequenzen einer aktiven Rekrutierungspolitik in Entwicklungsländern. Es zeigt: Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist ein globales Phänomen mit spezifischen nationalen Besonderheiten und einer langen Tradition der Abwanderung besonders qualifizierter Kräfte (Brain-Drain) verbunden mit deren Abwerbung aus den jeweils ärmeren Ländern. Nach Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fehlen derzeit weltweit über 17 Millionen Gesundheitsfachkräfte, davon 2,6 Millionen Ärzt*innen sowie neun Millionen Krankenpfleger*innen und Hebammen. Im bevölkerungsreichen Asien fehlen mit 6,9 Millionen zahlenmäßig die meisten Fachkräfte, aber relativ gesehen liefern die fehlenden 4,2 Millionen Fachkräfte in Afrika den größten Anlass zur Sorge.

Auch in Deutschland sind Gesundheitsfachkräfte und vor allem Pflegekräfte knapp. ver.di hat bei einer Erhebung 2014 aufzeigen können: es fehlen im stationären Bereich heute schon 162.000 Pflegekräfte. Ebenso haben die Aktionen „Nachtdienstcheck“ und „Überstundenberg“ den erheblichen Personalmangel aufgezeigt. Seit 2012 setzt Deutschland auf eine offensive und staatlich unterstützte Abwerbung von Pflegepersonal aus dem Ausland. Die Bundesregierung wirbt vor allem um Fachkräfte aus Ländern des Ostens und Südens. Betrieben werden diese Aktivitäten zum einen über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (giz), die Anwerbeprojekte auf den Philippinen, in Vietnam, Serbien und Bosnien-Herzegowina aufgelegt hat. Zum anderen findet Anwerbung in Kooperation von Arbeitsagentur und Arbeitgeberverband Pflege aus China statt und weitere innereuropäische Anwerbeaktivitäten erfolgen über das EURES-Netzwerk, Job-Messen in EU-Ländern wie Spanien, Italien und Griechenland sowie in den EU-Ländern Osteuropas. Welche Wirkungen dies für die betroffenen Länder hat, welche Erfahrungen ausländische Pflegekräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt sammeln und welche Forderungen daraus an die deutsche Politik abzuleiten sind, das stellt das Diskussionspapier der „deutschen Plattform für globale Gesundheit“ vor.