Öffentlicher Dienst

Schwieriger Verhandlungsauftakt

Schwieriger Verhandlungsauftakt

Auszubildende in den schulischen Gesundheitsberufen fordern Bezahlung
Gruppenbild Verhandlungskommission Jugend ver.di Verhandlungskommission Jugend

Die Verhandlungen über die Einbeziehung der betrieblich-schulischen Gesundheitsberufe in die Tarifverträge für die Auszubildenden der Länder haben begonnen. Doch der Auftakt am 25. April 2017 war schwierig. Die Arbeitgeber verweigern bislang, auch Medizinisch-technischen Assistent/innen, Physiotherapeut/innen, Diätassistent/innen, Orthoptist/innen, Logopäd/innen und Ergotherapeut/innen eine Ausbildungsvergütung zu bezahlen. Ihr Argument: Es sei nicht sicher, ob die Bezahlung von den Krankenkassen refinanziert wird. Die Unikliniken wollten »das Risiko nicht tragen«, auf den Kosten sitzen zu bleiben.Soll heißen, dass Auszubildende weiterhin keine Vergütung erhalten, ist aus Sicht der Arbeitgeber hingegen in Ordnung.

Die Vergütung der schulischen Gesundheitsberufe und die Einbeziehung der Notfallsanitäter/innen in die Tarifverträge sind überfällig. Es kann nicht sein, dass Auszubildende nach einem anstrengenden Ausbildungstag noch kellnern gehen müssen, um über die Runden zu kommen. Wo bleibt die Wertschätzung dieser für die Patientenversorgung so wichtigen Tätigkeiten? Wo bleibt die Sicherung der Fachkräfte von morgen?

Für ver.di ist klar: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz bietet eine eindeutige rechtliche Grundlage dafür, dass die Kliniken die Ausbildungsvergütung von den Kostenträgern einfordern können. Dennoch sind wir bereit, gemeinsam mit den Arbeitgebern das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen zu suchen. Sie müssen die Refinanzierung der Ausbildungsvergütungen sicherstellen. Das ist im Interesse der Auszubildenden, aller Krankenhausbeschäftigten sowie der Patientinnen und Patienten. Hierzu soll kurzfristig ein gemeinsames Gespräch auf Spitzenebene mit dem Bundesgesundheitsminister geführt werden.

Die Politik und die Kostenträger sind gefordert, eine Tarifeinigung zu erleichtern. Die Arbeitgeber stehen in der Pflicht, die Benachteiligung schulischer Auszubildender endlich zu beenden. In der Pflege und anderen Ausbildungsberufen ist eine angemessene Vergütung längst selbstverständlich – zu Recht. Auch die schulischen Gesundheitsberufe brauchen eine zeitgemäße Regelung.

Dafür setzen wir uns weiter ein. Bei den Verhandlungen ist klar geworden: Neben guten Argumenten und politischer Unterstützung braucht es weiter Druck aus den Betrieben. Dass die Arbeitgeber überhaupt auf Spitzenebene mit ver.di verhandeln, ist der Erfolg von hunderten Auszubildenden, die sich zu Jahresbeginn an Warnstreiks und Aktionen beteiligt haben. Sie haben ihre Forderungen auf die Agenda gesetzt.

Die Tarifverhandlungen sollen nach dem Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister fortgesetzt werden. ver.di will bis zum Herbst 2017 einen Abschluss erreichen. Klar ist: Je mehr sich gewerkschaftlich organisieren, desto mehr können wir erreichen. Mach mit!

Pia-Louisa Bigalk ver.di Pia-Louisa Bigalk

"Die Verhandlungen waren spannend, aber auch enttäuschend. Inhaltlich hatten die Arbeitgeber überhaupt keine Argumente gegen die Bezahlung der schulischen Auszubildenden. Sie haben nur immer wieder gesagt, dass sie das womöglich nicht refinanziert bekommen. Was es für uns bedeutet, in der Ausbildung keinen Cent zu verdienen, interessiert sie offenbar gar nicht. Wir müssen es ausbaden. Das ist einfach unfair. Für mich heißt das: Wir müssen noch mehr Druck machen. Beim Warnstreik im Februar haben wir gezeigt, dass wir richtig viele Leute sind. Sonst säßen die Arbeitgeber jetzt gar nicht mit uns am Tisch. Darauf können wir stolz sein. Doch wir müssen noch mehr werden, damit sich was bewegt." Pia-Louisa Bigalk (19), Mitglied der ver.di-Verhandlungskommission, macht eine Ausbildung zur Medizinisch-technischen Radiologie Assistentin (MTRA) am Uniklinikum Düsseldorf.

Severin Krüger ver.di Severin Krüger

"Dass sich die Arbeitgeber so gegen die Einbeziehung der schulischen Gesundheitsberufe in die Tarifverträge sperren, macht mich fassungslos. Kein Krankenhaus der Welt funktioniert ohne Labor, Radiologie, Physiotherapie. Hier braucht es gut ausgebildete Fachkräfte. Das geht nur mit einer tariflichen Ausbildungsvergütung, damit sich die jungen Kolleginnen und Kollegen auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Ich kenne Leute, die gerne einen solchen Beruf erlernen würden. Aber sie können es sich nicht leisten. Damit schaden sich die Kliniken letztlich selbst. Krankenhausträger, Krankenkassen und Politik sind gefragt: Sie muss gewährleisten, dass alle Ausbildungsberufe im Gesundheitswesen vergütet werden. Wir werden ihnen zeigen, dass nicht nur die schulischen Auszubildenden, sondern alle Azubis und Beschäftigten geschlossen hinter der ver.di-Forderung stehen." Severin Krüger (26) ist Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) am Uniklinikum Köln und Mitglied der ver.di-Verhandlungskommission.