Kurzportrait Asklepios

Hohe Margenvorgaben auf Kosten der Belegschaften. So lässt sich die Situation bei Asklepios gut beschreiben. Dort, wo in Privatisierungsverträgen eine Tarifbindung mit ver.di vereinbart ist, wird diese auch umgesetzt. Überall sonst vermeidet der Konzern diese, im Zweifel auch mit übelsten Streikbrechermethoden. Die Mitbestimmungskultur ist nur partiell gut. Eine Sozialpartnerschaftkultur ist überwiegend nicht vorhanden. Lange Zeit wurde auch mit dem DHV und medsonet verhandelt. Nunmehr sollen Arbeits- und Sozialordnungen Tarifverträge ersetzen. Dort wo sich Betriebsräte dem mit Verweis auf das Betriebsverfassungsgesetz widersetzen, werden sie bloßgestellt und vorgeführt.

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Aggressiver Lohndrücker

Hauptsache viel. So lässt sich die Expansionsstrategie des Klinikbetreibers Asklepios auf den Punkt bringen. Auf diese Weise hat sich die Zahl der zum Konzern gehörenden Einrichtungen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht.

Und gegenüber den Beschäftigten gilt die Devise: Hauptsache billig und ohne Tarifvertrag. Am liebsten würde Firmenpatriarch Bernard Broermann – der sich 2008 zwar aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, als Eigentümer aber weiterhin die bestimmende Persönlichkeit ist – mit ver.di wohl überhaupt keine Verträge abschließen. In harten Auseinandersetzungen haben die Beschäftigten dennoch eine Reihe von Tarifvereinbarungen erkämpft.

Der große Coup gelang Broermann 2005 bzw. 2007, als Asklepios zunächst 49,9 Prozent und dann die Mehrheitsanteile am Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) in Hamburg übernahm – für so gut wie umsonst. Gegen die Privatisierung der städtischen Kliniken hatte es in der Hansestadt heftigen Widerstand gegeben. 76,8 Prozent der Bevölkerung sprachen sich 2004 in einem Volksentscheid dagegen aus, was der CDU-FDP-Schill-Senat jedoch einfach ignorierte. Die ersten Maßnahmen des neuen Managements waren der Austritt aus dem Arbeitgeberverband und pauschale Lohnkürzungen für Neueingestellte von zehn Prozent. Doch die Belegschaft setzte sich zur Wehr: In einer anderthalbjährigen Auseinandersetzung mit zehn Warnstreiks gelang es ihr, eine am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) orientierte Vereinbarung durchzusetzen. Nach weiteren Konflikten – zuletzt im Frühjahr 2012 – liegt dieser auch für die Hamburger Uniklinik geltende Vertrag mittlerweile über dem TVöD-Niveau. Die versuchte Tarifflucht ist also nach hinten losgegangen.

Zu einem kooperativeren Umgang mit den Beschäftigten hat diese Erfahrung aber nicht geführt. So ging die Asklepios-Spitze im Sommer 2012 mit aller Härte gegen einen Streik bei der Nordseeklinik Westerland auf Sylt vor – unter anderem mit dem Einsatz von Streikbrechern und der Drohung, den Reha-Bereich zu schließen. Die wochenlange Auseinandersetzung endete schließlich in einem Kompromiss.

Von einem für alle Einrichtungen geltenden Konzerntarifvertrag – über den Asklepios unter dem öffentlichen Druck 2009 zeitweise verhandelte – ist man meilenweit entfernt. Der Gewerkschaft bleibt nur, im „Häuserkampf“ Tarifverträge für die einzelnen Kliniken durchzusetzen. Das tut sie mit wachsendem Erfolg.

Derweil expandiert Asklepios weiter. Im Herbst 2011 übernahm der Konzern die Mehrheit an der Mediclin AG. Insgesamt verfügt Asklepios nun über 141 Einrichtungen (davon 67 Krankenhäuser), in denen 2012 fast zwei Millionen Patienten behandelt wurden. Der Umsatz steigt kontinuierlich und lag 2012 bei knapp drei Milliarden Euro. Der Gewinn ohne Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lag bei 267 Millionen Euro, eine Marge von neun Prozent. Trotz der guten Zahlen setzt der Konzern auf die „kontinuierliche Weiterentwicklung unserer interner Prozesse zur Hebung von Kosten- und Effizienzpotenzialen“. Für die mehr als 45.000 Beschäftigten, vielfach unterbezahlt und ohnehin gestresst, verheißt das nichts Gutes.

Mit einer Beteiligung am Athens Medical Center ist Asklepios der einzige deutsche Klinikkonzern, der über nennenswerte Auslandaktivitäten verfügt.

ver.di Kampagnen