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Alles ist verzahnt

Alles ist verzahnt

Im Krankenhaus arbeiten unterschiedliche Berufsgruppen. Wo liegen die Differenzen, wo die Gemeinsamkeiten? Auf Einladung der drei haben sich Kolleginnen und Kollegen verschiedener Bereiche darüber unterhalten.
Gesprächssituation Thomas Lohnes Berufsgruppengespräch

drei: Wenn in Medien oder Politik von Krankenhäusern die Rede ist, geht es zumeist um Pflegekräfte oder Ärztinnen und Ärzte. Wie erklärt ihr euch das?

Roswitha Kerl: Das liegt meiner Meinung nach daran, dass Krankenschwestern und Ärzte direkt am Patienten arbeiten. In der Mikrobiologie haben wir hingegen keinen direkten Kontakt zu Patientinnen und Patienten. Deshalb wissen die wenigsten, dass es Medizinisch-technische Assistenten (MTA) überhaupt gibt. Selbst Ärzten ist zumeist unbekannt, was wir machen und wie wir ausgebildet sind. Wir arbeiten in der Pathologie, der Mikrobiologie, der klinischen Chemie, der Hämatologie, aber unseren Beruf kennt kaum jemand. Auch vom Gesundheitsministerium werden wir nicht gesehen. Das MTA-Gesetz ist hoffnungslos veraltet, aber die Verantwortlichen interessieren sich nicht wirklich dafür.

Wilfried Schneider: Ich denke, Medizinisch-technische Assistent/innen werden eher noch als Teil der medizinischen Kernkompetenz gesehen. Anders ist es bei Beschäftigten in der Küche, im Transportdienst oder in der Reinigung. Vielfach sind diese Tätigkeiten outgesourct und damit gar nicht mehr Teil der Klinik. Viele Krankenhäuser sehen Berufsgruppen wie Ärzte, Pflege, MTAs und Therapeuten als Teil ihres Kerngeschäfts. Alles andere wird ausgegliedert oder fremd vergeben. Und Beschäftigte in den Fremd- und Tochterfirmen werden von den anderen oft nicht so direkt als Kollegen wahrgenommen.

Volker Peil: Bei uns ist das zum Glück nicht so, aber generell stimmt das schon.

»Mit ver.di hat man was im Rücken, denn da sind alle Berufsgruppen organisiert.«

Volker Peil, Beschäftigter im Transportdienst

Roswitha: Zunehmend werden aber auch Labore outgesourct. Am Klinikum Fürth hatten sie das ebenfalls angedacht, wir haben uns erfolgreich dagegen gewehrt. Aber in vielen Krankenhäusern gehören die Labore nicht mehr dazu. Das finde ich falsch, genau wie die Ausgliederung der Servicebereiche. Denn eine funktionierende Gesundheitsversorgung basiert auf dem Zusammenspiel der Berufsgruppen.

Volker: Bei uns ist die Küche noch Teil des Klinikums. Die eigene Wäscherei haben sie aber dicht gemacht. Die Wäsche wird jetzt aus Hagen mit dem Lkw hin- und hergefahren.

Roswitha: Unsere Wäsche wird in Italien gewaschen!

Volker: Und das soll angeblich billiger sein. Da kann man sich vorstellen, wie hoch die Löhne in der externen Firma sind. 

drei: Inwiefern schaden Ausgliederung und Fremdvergabe der Qualität?

Wilfried: Als Erste waren die Reinigungskräfte von Outsourcing betroffen. Das hat sich überhaupt nicht bewährt. Bei den Ausschreibungen bekommen zumeist diejenigen den Zuschlag, die das günstigste Angebot machen. Mit fatalen Folgen. Die Krankenhausreinigung ist in Bezug auf Hygiene existenziell. Wenn da gepfuscht wird, können alle anderen noch so sauber arbeiten – es funktioniert nicht. Das ist ein Beispiel dafür, wie wichtig jede einzelne Berufsgruppe ist, damit die Qualität stimmt.

Volker: Die niedrigen Löhne führen dazu, dass die Leute ständig wechseln. Wer die Möglichkeit hat, sucht sich einen anderen Job. Deshalb müssen immer wieder neue Leute eingearbeitet werden.

Volker Peil Thomas Lohnes Volker Peil

Emine Gökalp: Die Reinigung im Krankenhaus weist Mängel auf. Eine Abteilung bei uns hat sich kürzlich darüber beschwert, dass die Reinigungskräfte ständig wechseln und kein Deutsch verstehen. Die Kollegen einiger Abteilungen haben jetzt durchgesetzt, dass ihnen Reinigungskräfte fest zugeordnet werden.

Roswitha: Durch das Outsourcing entstehen strikte Trennungen, die einfach unsinnig sind. Zum Beispiel sind die Reinigungskräfte auf Station bei uns in Teams eingeteilt. Einmal habe ich erlebt, dass eine Patientin erbrochen hatte, aber die Reinigungskraft, die gerade da war, durfte nicht in das Zimmer gehen, weil es nicht zu ihrem Bereich gehörte. 

Wilfried: Es ist auch rechtlich ein Problem. Klinikbeschäftigte dürfen Mitarbeitern von Fremdfirmen nicht einfach Anweisungen geben. Das muss alles nach Schema F laufen. Es wird eine Basisreinigung gemacht und wenn man zusätzliche Reinigungsaufgaben hat, muss man diese extra anfordern und gesondert abrechnen.

Volker: Ja, da kommt dann ein extra Team. Der eine macht zum Beispiel nur die Oberseiten der Schränke oder der wechselt nur die Bettwäsche. Wenn die Lampen gereinigt werden sollen, muss die Station das gesondert beantragen. Das ist ein Haufen Papierkram.

Wilfried: Und es erfordert viel Kommunikation, die meistens nicht klappt.

Volker: Ein anderes Beispiel: Früher waren Kollegen im Haus für Wartung und Reparatur der Fahrstühle zuständig, jetzt macht das eine Fremdfirma. Wenn ein Aufzug kaputt geht, steht der manchmal drei, vier Wochen lang still. Darunter leiden alle Beschäftigten.

Emine: Neuaufnahmen verzögern sich meistens um Stunden, obwohl die Betten bereits frei sind, da sie noch gereinigt werden müssen, es aber wahrscheinlich grundlegend an Personal der Servicefirma fehlt. Die Patienten meinen dann, wir Pflegekräfte könnten doch das Bett fertig machen. Aber wir schaffen es schon nicht, unsere eigene Arbeit zu machen, weil wir ebenfalls unterbesetzt sind. Wir können nicht noch die Aufgaben der Servicekräfte übernehmen.

Emine Gökalp Thomas Lohnes Emine Gökalp

drei: Die Situation in der Pflege ist in der Öffentlichkeit zum Thema geworden. Haben Pflegekräfte das Gefühl, dass die Wertschätzung für ihre Arbeit gewachsen ist?

Emine: Überhaupt nicht. Wir sollen mit immer weniger Personal immer mehr leisten. Ich arbeite meistens am Wochenende, wo wir dann zu zweit 25 hämatologische Patientinnen und Patienten zu versorgen haben. Ambulante Fälle versorgen wir zusätzlich »nebenbei«. Hinzu kommen ärztliche Tätigkeiten wie Blutentnahmen, Blut- und Chemovorbereitungen sowie Medikamentenbestellungen. Das ist nicht zu schaffen. Aber wenn wir eine Überlastungsanzeige schreiben, bekommen wir nur zu hören: »Ihr seid erfahrene Schwestern, das könnt ihr schon.« Doch Entlastung erfahren wir nicht, stattdessen wächst der Druck weiter. Von Wertschätzung kann da keine Rede sein.

drei: Wie würdest du das Verhältnis zwischen Pflegekräften und Ärzt/innen beschreiben?

Emine: Es gibt Ärzte, die unsere Situation sehen und Verständnis zeigen. Sie helfen uns, indem sie das Blut selbst abnehmen oder die Chemo selbst fertig machen. Aber es gibt auch welche, die sich für was Besseres halten. Beispielsweise stehen diese direkt neben dem Medikamentenschrank, aber laufen zehn Zimmer weiter, wo ich bin, und sagen mir: »Geben Sie dem Patienten Aspirin«, statt es einfach mal selbst zu machen.

»Es gibt Ärzte, die unsere Situation sehen und Verständnis zeigen. Aber es gibt auch welche, die sich für was Besseres halten.«

Emine Gökalp, Krankenpflegerin

Wilfried: Ich denke, das hängt sehr von den Personen ab. Es gibt Menschen, die sich gegenseitig wertschätzen und es gibt diejenigen, die das nicht tun. Das hat auch mit der Atmosphäre zu tun, die in der Abteilung herrscht. 

drei: Seit der Jahrhundertwende ist die Zahl der Pflegekräfte um 3,5 Prozent zurückgegangen, die im Bereich Wirtschaft und Versorgung um 43 Prozent – auch wegen Outsourcing und Fremdvergabe. Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte hat im gleichen Zeitraum um 42 Prozent zugenommen. Ist Überlastung für Ärzte da überhaupt ein Thema?

Wilfried: Diese Zunahme geht zu einem großen Teil auf die Abschaffung der überlangen Dienstzeiten zurück. Als ich angefangen habe, bin ich Samstagmorgen in die Klinik gegangen und Montagabend wieder herausgekommen. Das gibt es heute zum Glück nicht mehr, weil Bereitschaftsdienste als Arbeitszeit gelten. Deshalb musste natürlich neues Personal eingestellt werden, ohne dass deshalb mehr Ärzte im Dienst sind. Wobei ausufernde Arbeitszeiten nach wie vor ein Problem sind. Leider enthalten die vom Marburger Bund geschlossenen Tarifverträge jede Menge Öffnungsklauseln, die längere Arbeitszeiten zulassen als im Gesetz vorgesehen. Da würde ich mir striktere Regelungen wünschen. Hinzu kommen die zunehmende Bürokratie und die Steigerung der Fallzahlen. Überlastung gibt es also auch bei Ärzten, wenn auch unterschiedlich in verschiedenen Bereichen. Aber die Pflege ist meiner Ansicht nach deutlich stärker betroffen. Zudem werden Pflegekräfte im internationalen Vergleich hierzulande eher schlecht bezahlt. 

Emine: Bei uns wechseln die Stationsärzte alle drei Monate. Die Neuen kennen sich auf den Stationen natürlich nicht aus. Das bedeutet für uns Pflegekräfte eine höhere Belastung. 

Wilfried: Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung, die den Kliniken vorschreibt, wie viel Personal sie einsetzen müssen. Wenn die Beschäftigten nicht gestresst sind und Zeit für die Patienten haben, verbessert sich die Versorgungsqualität. Das würde uns alle zufriedener machen.

Roswitha Kerl Thomas Lohnes Roswitha Kerl

Roswitha: Das denke ich auch. Mehr und ältere Patienten bedeuten natürlich auch für die Labors mehr Arbeit. Die Hektik auf den Stationen und in der Notaufnahme führt manchmal auch zu unnötigen Dingen, zum Beispiel wenn wir an einem Tag mehrere Blutproben von ein und demselben Patienten bekommen. So etwas entsteht durch Überlastung.

drei: Die Ausbildung in den betrieblich-schulischen Gesundheitsberufen, wie MTA und Physiotherapeut/innen, richtet sich weder nach dem Berufsbildungs- noch nach dem Krankenpflegegesetz. Welche Folgen hat das?

Roswitha: Die Berufe sind für jungen Menschen unattraktiv. Sie bekommen während der dreijährigen Ausbildung keinerlei Vergütung – anders als Auszubildende in der Krankenpflege. Die meisten jobben nebenher, damit sie über die Runden kommen. Das macht es schwer, die fordernde und anstrengende Ausbildung zu schaffen. Und das alles, um am Ende mit einem vergleichsweise mickrigen Gehalt abgespeist zu werden – wer macht das freiwillig?

drei: Emine, wie empfindest du es als Pflegekraft, dass die Ausbildung in diesen Berufen, anders als in der Gesundheits- und Krankenpflege, nicht vergütet wird?

Emine: Ich wusste das nicht. Das ist schlicht Ausbeutung.

Wilfried: Die Therapeutinnen und Therapeuten müssen teilweise sogar noch horrende Summen für die Ausbildung bezahlen.

»Die MTAs würden als kleinere Berufsgruppe allein kein Gehör finden.«

Roswitha Kerl, MTA

Roswitha: An Privatschulen ist das bei MTAs auch so. Zum Glück gibt es inzwischen viele staatliche und städtische Schulen, die kein Schulgeld verlangen.

Volker: Unattraktiv sind auch die Jobs im Servicebereich. Die Bezahlung ist schlecht, die Schichtarbeit ist extrem belastend, die Arbeit verdichtet sich. Überall fehlt es an Personal. So werden bei den Technikern Arbeitsplätze meist erst später oder gar nicht neu besetzt, wenn Kollegen in Rente gehen. Die Arbeit wird aber nicht weniger, im Gegenteil: Sie nimmt zu, weil immer mehr Technik eingesetzt wird.

drei: Wie werden die Beschäftigten im Servicebereich von den anderen Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen?

Volker: Bei uns ist das Verhältnis recht gut. Was die Reinigung angeht, ist es inzwischen so, dass die Stationen fest zugeordnete Putzkräfte haben. Das ist wichtig, damit die Kommunikation funktioniert.

drei: Am Düsseldorfer Uniklinikum haben Servicebeschäftigte und Pflegekräfte mehrfach zusammen gestreikt – die einen für einen Tarifvertrag, die anderen für Entlastung. Ein positiver Einzelfall?

Volker: Nein. Auch am Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) haben wir uns im September und Oktober an Streiks beteiligt, um mehr Personal zu bekommen. Die Beschäftigten der Servicetochter wurden dabei bewusst einbezogen. Es sind alle zusammen auf die Straße gegangen. Das hat etwas gebracht. Die haben endlich mal gesehen, was alles liegen bleibt, wenn wir nicht arbeiten. Deshalb musste der private Betreiber Rhön auch einige Zugeständnisse machen.

drei: Auf den Stationen werden zunehmend Servicekräfte bzw. Pflegehelfer/innen eingesetzt. Empfindet ihr das als Entlastung?

Emine: Ja. Auf unserer Station hatten wir früher zwei Servicekräfte, eine im Früh- und eine im Spätdienst. Die haben Betten gemacht, die Schränke aufgefüllt und anderes. Darum brauchten wir uns nicht zu kümmern. Jetzt haben wir nur noch eine Servicekraft von Montag bis Freitag. Wenn sie nicht da ist, müssen wir alles allein machen.

Wilfried: Die Servicekräfte werden aber meistens auf die Pflegestellen angerechnet. Das heißt: Wenn Servicekräfte eingesetzt werden, kommen die in der Regel bzw. auf lange Sicht nicht zusätzlich, sondern sie ersetzen examinierte Pflegekräfte. Letztlich geht es darum, Geld zu sparen, um Gewinne zu erzielen. Das schafft dieselben Probleme, wie wir sie gerade in Bezug auf das Putzen diskutiert haben: Wenn es verschiedene Firmen gibt, ist jeder nur noch für bestimmte Handschläge zuständig. So ist es mit den Servicekräften auf den Stationen auch. Sie können keine pflegerischen Aufgaben übernehmen. Und die Pflege hat keine Zeit mehr für andere Tätigkeiten, die auch dazu gehören. So wird das Ganze aufgespalten, dem Anspruch an ganzheitliche Pflege entspricht das nicht mehr. Das geht in Richtung Funktionspflege: Der eine teilt die Tabletten aus, der nächste misst den Blutdruck und der dritte wäscht. Wenn das alles von einer Pflegekraft gemacht würde, würde sie einen viel besseren Kontakt zum Patienten bekommen, was pflegerisch und medizinisch sinnvoll wäre.

Es geht um Effizienz und Kostenersparnis. Das gilt auch für die neuen Berufe, die sich vor allem private Klinikketten basteln. Da werden sogenannte Operationstechnische Assistent/innen im OP eingesetzt, die nur noch Wunden zunähen, damit der Arzt in dieser Zeit etwas anderes machen kann, das dem Krankenhaus mehr Geld bringt. Für den Beschäftigten macht das die Arbeit langweilig. Und man hat weniger Möglichkeiten, den Arbeitgeber zu wechseln.

Roswitha: Ist das nicht auch eine Reaktion darauf, dass Fachkräfte fehlen?

Wilfried Schneider Thomas Lohnes Wilfried Schneider

Wilfried: Der Mangel ist aber doch künstlich erzeugt. Man zahlt so wenig und wundert sich, dass den Beruf keiner machen will. Die Krankenpflegeschulen wurden zusammengestrichen und jetzt schreien sie, sie hätten nicht genug Fachkräfte.

Roswitha: Das stimmt schon, das ist die Ursache. 

Emine: Meine Klinik versucht, Fachkräfte mit allerlei Versprechungen zu ködern. Aber wenn sie die Arbeitsbedingungen erleben, hauen sie schnell wieder ab. Diejenigen, die da bleiben, machen Überstunde um Überstunde. Am Ende können sie nicht mehr und reduzieren ihre Arbeitszeit oder werden krank.

drei: Ihr alle habt euch entschieden, euch zusammen mit ganz unterschiedlichen Berufsgruppen in ver.di zu organisieren. Warum?

Roswitha: Die MTAs würden als kleinere Berufsgruppe allein kein Gehör finden. Gemeinsam hat man die Chance, auf sich aufmerksam zu machen und die Vielschichtigkeit der Probleme zusammenzubringen. Es geht bei unseren Berufen insgesamt um das Gesundheitswesen. Wenn wir uns zusammenschließen und in die gleiche Richtung gehen, können wir etwas bewegen.

Volker: Ich denke auch: Mehr Leute können einfach mehr erreichen. Im Servicebereich sind viele mit befristeten Arbeitsverträgen oder ausländischer Herkunft, die Angst haben, sich zu wehren. Allein, in einer kleinen Gruppe, kann man wenig durchsetzen. Mit ver.di hat man was im Rücken und kann Druck ausüben, denn da sind alle Berufsgruppen organisiert.

»Wenn es in der Reinigung nicht klappt, funktioniert es mit der Hygiene im ganzen Krankenhaus nicht.«

Wilfried Schneider, Arzt

Wilfried: Wir haben ja eben über die Reinigungskräfte gesprochen und gesagt: Wenn es in der Reinigung nicht klappt, funktioniert es mit der Hygiene im ganzen Krankenhaus nicht. Wenn man zusammenarbeitet und aufeinander angewiesen ist, ist man auch gut beraten, sich solidarisch zu organisieren. Die Ärzte sind natürlich in einer relativ starken Position. Ich halte nichts davon, das auszunutzen, um für sich allein etwas durchzusetzen. Ich bin dafür, die eigenen Möglichkeiten stattdessen zu nutzen, um Verbesserungen für alle zu erreichen. Dann funktioniert nicht nur die eigene Berufsgruppe, sondern das ganze Krankenhaus, das ganze Gesundheitswesen. Und alle haben etwas davon.

Roswitha: Ich kann dem nur zustimmen. Alles ist verzahnt. Wenn es den einen besser geht, werden die Bedürfnisse der anderen ebenfalls eher erfüllt. Deshalb halten wir zusammen.

drei: Wenn ihr euch das Krankenhaus der Zukunft vorstellt, wie sieht es aus?

Emine: Patientinnen und Patienten brauchen gefühlvolle Unterstützung von Pflegekräften, die Zeit dafür haben. Doch unter den jetzigen Bedingungen sind die Patienten sekundär geworden. Es geht nur noch um den Profit. Das muss sich ändern.

Roswitha: Das stimmt. Solange die Kliniken in Konkurrenz zueinander stehen, finanziell nicht angemessen ausgestattet sind und schwarze Zahlen schreiben müssen, werden die Zustände nicht besser. Letztlich wird immer am Personal gespart – bei allen Berufsgruppen.

Volker: Mein Ideal wäre, dass auch die Servicebeschäftigten Teil des Krankenhauses sind und gut bezahlt werden. Dann wäre die Motivation höher und man würde genug Personal finden. Doch unter privater Trägerschaft wird das wohl kaum passieren.

Wilfried: Ich finde, Krankenhäuser dürfen nicht wie Fabriken organisiert sein. Es muss um die bestmögliche Gesundheitsversorgung gehen, nicht um den größtmöglichen Profit.

Interview: Daniel Behruzi

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