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Kranke, nicht Kunden

Reinlesen

Kranke, nicht Kunden

Das Gesundheitswesen ist kein Wirtschaftszweig wie jeder andere. Mit dieser Feststellung beginnt Hartmut Reiners, einst Referatsleiter im Brandenburger Gesundheitsministerium, sein Buch zur politischen Ökonomie des Gesundheitswesens. »Kranke Menschen sind hilfebedürftige Personen und keine Kunden, die zwischen den angebotenen Produkten je nach Bedarf, Geschmack und Geldbeutel wählen können.« Mit diesen und vielen weiteren Argumenten kontert er die »Irrwege neoliberaler Ökonomen«, die das Gesundheitswesen allein dem Markt überlassen wollen.

Das kenntnisreich geschriebene Buch enthält viele interessante Fakten und Analysen. Allerdings greift es an manchen Stellen zu kurz – zum Beispiel beim (nicht entwickelten) Zusammenhang zwischen der Überlastung des Pflegepersonals und dem Finanzierungssystem über Fallpauschalen (DRG), dessen Einführung der Autor »im Prinzip richtig« findet.

Lesenswert macht das Buch vor allem sein Plädoyer für die Bürgerversicherung. Die Existenz privater Krankenversicherungen hält der Ökonom für »eine Verschwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen« und für sozial ungerecht, da untere und mittlere Einkommen deutlich stärker belastet werden als einkommensstärkere Schichten. Zudem sei der Verwaltungsaufwand privater Versicherungen um ein Vielfaches höher als in den gesetzlichen Kassen.

Auch wenn nicht alle Argumente überzeugen – Reiners Buch enthält für Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter im Gesundheitswesen viel Nützliches.

-dab

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