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Gemeinsam stark

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Gemeinsam stark

Pflegekräfte und Servicebeschäftigte an der Uniklinik Düsseldorf streiken zusammen für mehr Personal und gute Bezahlung
Gruppenbild Pflegekräfte und Servicebeschäftigte an der Uniklinik Düsseldorf Veit Mette Pflegekräfte und Servicebeschäftigte an der Uniklinik Düsseldorf

Sie arbeiten in getrennten Betrieben, unter ganz unterschiedlichen Bedingungen. Sie streiten für verschiedene Tarifverträge. Und dennoch halten sie zusammen: Die Beschäftigten des Uniklinikums Düsseldorf haben am 19. September gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der ausgegliederten Servicegesellschaften gestreikt. Ihre Forderung: Gute Arbeitsbedingungen und Tarifverträge für alle.

Die Kinderkrankenschwester Regina Landwehr findet es toll, dass Pflegekräfte und Servicebeschäftigte gemeinsam auf die Straße gehen. »Das ist für beide der richtige Weg, dem Arbeitgeber klar zu machen: So geht es nicht weiter.« In der Vergangenheit habe die Klinikleitung oft die jeweils andere Beschäftigtengruppe eingesetzt, um Streiks zu unterlaufen. »Wir wurden immer gegeneinander ausgespielt. Es wird Zeit, das nicht länger hinzunehmen«, so die 61-Jährige. In den Servicebetrieben herrschten »Zustände wie im Mittelalter«. Die Beschäftigten würden drangsaliert und angebrüllt. Das bekämen auch die Pflegekräfte mit, die sich zunehmend mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Servicebereich solidarisierten.

Die Elektrikerin Nina Krieger ist davon überzeugt, dass die Beschäftigten der Dienstleister durch den gemeinsamen Streik gestärkt werden: »Man sieht, dass wir ein Unternehmen sind und uns nicht auseinander dividieren lassen. Das tut gut.« Die Beschäftigten der Tochterfirmen UKM und GKD engagieren sich seit Monaten dafür, dass sie wie ihre Kolleginnen und Kollegen in der Muttergesellschaft auf dem Niveau des Tarifvertrag der Länder bezahlt werden. Zur Zeit verdienen viele von ihnen über 500 Euro weniger im Monat. Für sie gilt weder die betriebliche Altersversorgung noch die Jahressonderzahlung. Um das zu ändern, haben sich hunderte Servicebeschäftigte in ver.di organisiert und bereits fünf Mal die Arbeit niedergelegt.

Streik für Entlastung

Auszubildende mit Transparent "Deine Mudda wird unterversorgt" Veit Mette Streik am Düsseldorfer Uniklinikum

Zugleich fordert die Gewerkschaft für die Beschäftigten des Uniklinikums einen Tarifvertrag zur Entlastung. Unter anderem soll festgelegt werden, wie viel Personal in den Bereichen und Stationen mindestens zur Verfügung stehen muss. »Wir unterstützen uns gegenseitig«, betont Teslime Özdemir. Als »Gestellte« des Uniklinikums in der Servicetochter UKM gelten für sie die Tarife der Muttergesellschaft. Doch die Schlechterstellung ihrer direkt bei der UKM angestellten Kolleg/innen findet die Disponentin empörend. »Wer die gleiche Arbeit macht, muss auch die gleichen Rechte und die gleiche Bezahlung bekommen. Wir wollen keine Beschäftigten zweiter oder dritter Klasse.« Auch der Krankenpfleger Adrian Eiken findet es »einfach ungerecht«, dass in den Servicegesellschaften Niedriglöhne gezahlt werden. Die Pflegekräfte arbeiteten auf den Stationen eng mit den Serviceassistent/innen und Reinigungskräften zusammen. »Die sind genauso überlastet wie wir – das bekommt man mit.« Entlastung sei in allen Bereichen des Krankenhauses dringend nötig, so der 31-Jährige.

»Da hilft nur Solidarität«

Doch die Manager wollen weder Vereinbarungen für mehr Personal im Uniklinikum noch Tarifverträge in den Tochterfirmen. In den Servicegesellschaften wenden sie einseitig einen Tarifvertrag der IG BAU an – obwohl die Baugewerkschaft längst klargestellt hat, dass sie für die Unternehmen nicht zuständig ist. Zugleich setzen die Geschäftsführer – offenbar mit Rückendeckung des Uniklinikums – alles daran, die Beschäftigten vom Streik abzuhalten. Kolleg/innen berichten, dass Vorgesetzte Streikenden weniger Arbeitsstunden geben oder ihre Wünsche bei der Urlaubsplanung ignorieren. Zuletzt fotografierte ein Manager gar einzelne Teilnehmer/innen eines Warnstreiks, um sie einzuschüchtern.Dagegen geht ver.di mit einer Unterlassungsaufforderung vor.

»Es ist unglaublich, zu welchen Mitteln das Management eines landeseigenen Unternehmens greift, um Beschäftigte an der Ausübung ihres Grundrechts auf Streik zu hindern«, kritisiert die zuständige ver.di-Sekretärin Herma Janßen. »Gegen solche Methoden hilft nur eins: Solidarität.«