drei.62

Zwei Welten

Zwischenruf

Zwei Welten

Zwischenruf von Sylvia Bühler in der drei.62
Sylvia Bühler (ver.di-Bundesvorstand) bei der Fachtagung Jugendberufshilfe, 30. Juni 2017 Astrid Sauermann Sylvia Bühler (ver.di-Bundesvorstand) bei der Fachtagung Jugendberufshilfe, 30. Juni 2017

Sicher, es gibt Ausnahmen. Aber wenn wir uns mit Spitzenmanagern der Gesundheits- und Sozialkonzerne auseinandersetzen, entsteht oft der Eindruck: Sie leben in einer anderen Welt. Während wir von ganzheitlichen Prozessen reden, von Wertschätzung, Empathie und Zuwendung, leben Manager in der Welt der Profitsteigerung. Umsatz und Fallzahlen müssen rauf, Personal abgebaut und Kosten minimiert werden.

Während wir über die Flure laufen und überlastete Beschäftigte, hilflose Patient/innen und verzweifelte Angehörige sehen, betrachten Manager das Geschehen unter dem Aspekt Kosten und Nutzen. Gespräche mit Patient/innen und Angehörigen werden in dieser Logik zu verschwendeten Ressourcen. Sie können nicht abgerechnet werden, bringen kein Geld. Unser Argument, dass es doch um die Menschen gehen müsse, wird gar nicht gehört, ignoriert oder gar belächelt.

Erzieher/innen, Pflegekräfte, Sozialarbeiter/innen sind es gewohnt, sich in andere hineinzuversetzen. Sie haben gelernt, sich auf die Denkweise ihres Gegenübers einzulassen. Das gehört zu ihrer Profession. Das sollten wir auch im Umgang mit Managern tun. Versetzen wir uns in ihre betriebswirtschaft-liche Denkweise hinein und schlagen sie mit ihren eigenen Mitteln: dem Profit. Damit treffen wir sie am Nerv.

Es geht um viel. Es geht darum, in welcher Welt, in welcher Gesellschaft wir künftig leben werden. Deshalb brauchen wir wirkungsvollen Widerstand gegen die Fehlentwicklungen im Gesundheits- und Sozialwesen. Wenn Beschäftigte dafür sorgen, dass die Gewinne ausbleiben, können sie Verbesserungen erzwingen. Das ist die Sprache, die Manager verstehen. So können wir mehr Personal und mehr Zeit für gute Pflege durchsetzen. Indem wir freiwillige Leistungen verweigern und, wenn es sein muss, auch streiken. Damit verschaffen wir uns Respekt. Nicht allein durch gute Argumente, nicht durch Bitten und Betteln. Sondern indem wir unsere kollektive Macht nutzen.

Sylvia Bühler ist Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und leitet den Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen.

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