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Ein Feldversuch

Reform der Pflegeausbildung

Ein Feldversuch

Das Ende Juni beschlossene Pflegeberufegesetz ist ein politischer Kompromiss – mehr nicht. Ab 2020 werden die Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zu einer einheitlichen Ausbildung mit dem Abschluss Pflegefachfrau/Pflegefachmann zusammengeführt. Die spezialisierten Abschlüsse in der Altenpflege sowie der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bleiben bis 2025 vorerst erhalten. Neu ist eine Zwischenprüfung zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres. Neben der beruflichen Pflegeausbildung wird es außerdem ein Pflegestudium geben, bei dem noch offen ist, wozu es genau dient.

ver.di hat einige ihrer Forderungen durchgesetzt – wie bundeseinheitliche Vorgaben zur praktischen Ausbildung und die Sicherung von Arbeitnehmerrechten für Auszubildende im Betrieb. Doch bei einer solch wichtigen Reform hätte die Regierung der Gewerkschaft noch besser zuhören müssen:

  • Sie hätte die Durchführung der Pflege als vorbehaltene Tätigkeit definieren müssen, statt zwischen Planung und Durchführung zu trennen. Das stellt die ganzheitliche Pflege in Frage.
  • Sie hätte die Studierenden über Verträge in die betrieblichen Strukturen einbinden müssen. Das hätte ihnen eine betriebliche Interessenvertretung und eine angemessene Ausbildungsvergütung verschafft.
  • Nicht zuletzt hätte mit dem Bundestagsbeschluss eine Ausbildungs- und Prüfungsverordnung vorliegen müssen. Ohne diese bleibt unklar, wie das Gesetz tatsächlich wirkt.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat sich treffend versprochen, als er vom »Gesetzesentwurf zur Reform der Pflegeversuche« sprach. Es ist tatsächlich eher ein Feldversuch. Sechs Jahre nach Inkrafttreten soll überprüft werden, ob die spezialisierte Ausbildung in der Alten- und der Kinderkrankenpflege beibehalten wird, ebenso sollen dann auch noch einmal die Zugangsvoraussetzungen diskutiert werden. Klar ist: Beschäftigte, Auszubildende und ihre Gewerkschaft ver.di werden sich dabei weiter einmischen.

Diana Sgolik

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