drei.60

Krimi thematisiert NS-Psychiatrie

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Krimi thematisiert NS-Psychiatrie

Buchtitel Schattwald Pieper Buchtitel Schattwald

Über ihren Erstlingsroman »Schattwald« sagt die taz-Autorin Barbara Dribbusch, er sei ein historischer Roman mit Krimi-Effekt, der in einem privaten Nervensanatorium in den Alpen zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und in der Gegenwart in Innsbruck spiele. Sie habe mehrere Jahre für diesen Roman recherchiert.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Eine Frau findet nach dem Tod ihrer Großmutter deren Tagebücher aus der Psychiatrie zu Zeiten des Nationalsozialismus. Doch sie ist nicht die einzige Person, die Interesse an diesen Unterlagen hat, weshalb sie in große Gefahr gerät. Diese Rahmenhandlung wird immer wieder unterbrochen durch den ebenfalls fiktiven Text der Tagebücher, die in einem Sanatorium in Österreich 1943 entstanden sind. Die Rolle großer Teile der Psychiatrie während der NS-Zeit wird am Rande erwähnt, freilich nur als Kulisse für die Darstellung einer Liebesgeschichte.

Auch wenn sich der Roman flüssig liest und spannend geschrieben ist, hat er mich enttäuscht. Die Chance, ein schwieriges Thema anschaulich einem breiteren Publikum nahe zu bringen, wurde vertan. Er hinterlässt weder bleibende Eindrücke noch Erkenntnisse. Wie so etwas besser geht, hat Bernt Engelmann 1974 in seinem derzeit leider vergriffenen Tatsachenroman »Großes Bundes-verdienstkreuz« gezeigt.

Klaus-Uwe Ittner