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Schulische Azubis wollen Bezahlung

Länder-Tarifrunde

Schulische Azubis wollen Bezahlung

Schulische Azubis in Krankenhäusern werden nicht bezahlt. Das will ver.di in der Länder-Tarifrunde ändern
Gruppenbild Azubis Uniklinikum Essen Viktor Novoselsky Azubis UK Essen  – Uniklinikum Essen am 8. November: Azubis aus Physiotherapie und Diätassistenz, Masseure und medizinische Bademeister sowie Medizinisch-technische Radiologieassistentinnen fordern eine Bezahlung ihrer praktischen Einsätze.

Sie arbeiten voll mit, ihre Leistungen bringen dem Krankenhaus Geld, doch sie selbst gehen leer aus: Auszubildende in den schulischen Gesundheitsberufen bekommen keine Vergütung. ver.di will das ändern. Die Bundestarifkommission hat beschlossen, die Einbeziehung dieser jungen Kolleginnen und Kollegen in den Tarifvertrag der Länder (TV-L) zu fordern. Schon das ist aus Sicht der Betroffenen ein wichtiger Schritt.

Harte Jahre

Denis Schatilow hat drei harte Jahre hinter sich. Während seiner Ausbildung zum Medizinisch-technischen Radiologieassistenten hat er neben dem Unterricht 3.200 Stunden in der Düsseldorfer Uniklinik gearbeitet – und dafür keinen Cent gesehen. Um Miete und Essen zu bezahlen, kellnerte er im ersten Ausbildungsjahr jede Samstag- und Sonntagnacht auf Hochzeiten. »Am Ende war ich total fertig«, sagt der heute 22-Jährige. Zum Glück konnten ihn seine Eltern später finanziell unterstützen.

»Auszubildende in den schulischen Gesundheitsberufen werden von den Kliniken als unbezahlte Arbeitskräfte ausgenutzt«, kritisiert der Gewerkschafter. So versorgen beispielsweise angehende Physiotherapeuten eigenständig Patient/innen. Die Leistungen werden normal abgerechnet, doch die Azubis haben nichts davon. »Es ist unfair und überhaupt nicht einzusehen, dass wir nicht genauso bezahlt werden wie Azubis in der Pflege«, sagt Schatilow. Dafür setzt er sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) des Düsseldorfer Uniklinikums ein – gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus der Pflege. »Die Solidarität ist total groß. Alle sind der Meinung, dass auch wir endlich eine Ausbildungsvergütung erhalten müssen.«

Azubis werden aktiv

So auch am Uniklinikum Köln. Dort engagiert sich die Jugendvertretung schon seit Jahren dafür. JAV- und Personalratsmitglied Peter Sztatelmann hält die Entscheidung der ver.di-Tarifkommission im öffentlichen Dienst für einen Durchbruch. Schon bei der Tarifrunde vor zwei Jahren seien viele der schulischen Azubis bereit gewesen, sich am Streik zu beteiligen, berichtet er. Doch da für sie keine Tarifforderung gestellt wurde, war das rechtlich problematisch. »Jetzt haben alle die Möglichkeit, selbst für ihre Interessen aktiv zu werden.«

Am Uniklinikum Essen seien die Auszubildenden von dem Beschluss begeistert, sagt der JAV-Vorsitzende Alexander Mrosek. »Das ist eine freudige Überraschung.« Auch ver.di-intern seien viele Diskussionen nötig gewesen, um das Problem der unbezahlten schulischen Ausbildung oben auf die Agenda zu setzen. Dafür haben die Azubis viel getan. Unter anderem haben sie eine Facebook-Seite eingerichtet, die das Thema ständig am Kochen hält (www.facebook.com/Ausbildung.unbezahlt).

In Essen machten sie mit der Aktion »Wir bluten für unsere Bücher« darauf aufmerksam, dass sie nicht nur kein Geld bekommen, sondern auch noch Fahrtkosten und Schulbücher selbst finanzieren müssen.

Zuletzt beteiligten sich im Herbst etwa 40 Auszubildende an einer aktiven Mittagspause. Und schon bei der Tarifrunde vor zwei Jahren nahmen etliche schulische Azubis am Streik teil. In Essen war das möglich: »Wir hatten in einer Notdienstvereinbarung festgeschrieben, dass alle Azubis streiken dürfen. Davon haben auch diejenigen in der schulischen Ausbildung rege Gebrauch gemacht – obwohl für sie gar nicht verhandelt wurde«, berichtet Mrosek.

Dieses Jahr dürfte der Zuspruch noch größer werden. »Alle sind heiß darauf, für die Ausbildungsvergütung auf die Straße zu gehen«, sagt Denis Schatilow aus Düsseldorf. ver.di habe bei den Auszubildenden in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe neuer Mitglieder gewonnen. »Vielleicht setzen wir die Ausbildungsvergütung nicht in einer Tarifrunde durch«, so der Jugendvertreter. »Aber wir werden alles dafür tun, das es so schnell wie möglich klappt.«

-red