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"Viele finden cool, was wir machen"

Jugend- und Auszubildendenvertretung

"Viele finden cool, was wir machen"

Arbeit in der Jugend- und Azubi-Vertretung (JAV) macht Spaß und kann etwas bewegen

Als Schülerin hat Heidi K. die alten Handys ihrer Klassenkameraden eingesammelt, um die Gorillas im Regenwald zu schützen. Sie hat sich um ein Flüchtlingsmädchen aus Eritrea gekümmert und in einer AG über politische Themen diskutiert. Es sei schon immer in ihr drin gewesen, nicht nur still da zu sitzen, berichtet die 20-Jährige. »Früher habe ich gesagt: Ich will die Welt retten«, erklärt sie und lacht fröhlich. »Heute tue ich es vielleicht ein bisschen. Nicht die Welt retten. Aber die Arbeitsbedingungen für Azubis verbessern.« Seit zwei Jahren macht die junge Frau mit den vielen Piercings und Tätowierungen eine Ausbildung zur Kinderkrankenpflegerin im Sana Klinikum Offenbach – und fast genauso lange ist sie dort in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) aktiv.

Gleich zu Beginn des Schuljahrs kam der Betriebsrat in ihren Kurs und warb für die Jugendvertretung. Eigentlich ließ sich Heidi K. vor allem deshalb zur Wahl aufstellen, weil sich sonst niemand in die Liste eintragen wollte. »Das ist jetzt anders«, sagt sie stolz. Mehrere Mitschülerinnen und Mitschüler haben schon erklärt, dass sie bei der nächsten JAV-Wahl im November kandidieren. Dazu hat die angehende Krankenpflegerin viel beigetragen. Mit kreativen Aktionen zeigt sie, wie viel Spaß die Arbeit als »JAVi« macht. Und was man damit erreichen kann. »Viele finden cool, was wir machen«, sagt die Gewerkschafterin. »Die Jugendlichen sehen, dass ver.di nicht langweilig ist.«

Dabei hatte Heidi K. am Anfang überhaupt keine Ahnung von der JAV-Arbeit. Alle fünf Jugendvertreter waren neu dabei. »Wir sind da reingestolpert«, sagt die junge Frau. Doch nach einem einwöchigen Einstiegsseminar ging es richtig los. Die Jugendlichen setzten bei der Geschäftsführung durch, dass die alten Fahrradständer vor der Schule ausgetauscht wurden. Und sie sorgten dafür, dass Azubis weiterhin kostenlos am Krankenhaus parken dürfen. »Wir haben schon ziemlich viel Handlungsspielraum«, findet Heidi. Ihr Ziel ist es, die Möglichkeiten auszureizen. Ein weiteres wichtiges Thema ist, dass es zu wenige Praxisanleiter auf den Stationen gibt.

Heidi K., Jugend- und Auszubildendenvertreterin Kathrin Hedtke Heidi K., Jugend- und Auszubildendenvertreterin

Auf dem JAV-Einstiegsseminar ist die junge Frau auch bei ver.di eingetreten. Erst war Heidi K. das einzige Gewerkschaftsmitglied in ihrer Klasse, nach und nach hat sie fast die Hälfte ihres Kurses geworben. Viel laufe über die persönliche Ebene, sagt die Jugendvertreterin. In der Pause habe sie die anderen Azubis einfach angesprochen. Auch der Streik in der Tarifrunde des öffentlichen Diensts hat dazu beigetragen. Die Jugendlichen malten gemeinsam Transparente mit Bart Simpson und Star-Wars-Yoda drauf, dazu lustige Sprüche. Und sprühten nachts mit Kreidespray überall Parolen auf die Straße. »Das hat Spaß gemacht«, sagt Heidi K.. »So etwas verbindet total.« Als nächstes ist ein »Bubble-Soccer-Turnier« für die Azubis der Klinik geplant.

Heidi K. ist in die JAV-Arbeit richtig reingewachsen. Früher sei sie sehr schüchtern gewesen, berichtet die Auszubildende. Inzwischen habe sie sich daran gewöhnt, vor vielen Menschen zu sprechen. Ihre wichtigste Erfahrung? »Dass man auch persönlich etwas ändern kann.« Die Gewerkschafterin freut, wenn sie zum Beispiel einem Mitschüler helfen kann, der auf einer Station nicht zurechtkommt. »Meistens funktioniert das auch.«

Kathrin Hedtke