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Aufstand der Töchter

Outsourcing

Aufstand der Töchter

Demonstration gegen Outsourcing bei Vivantes Christoph Wälz Vivantes Outcourcing  – Therapeut/innen und Servicebeschäftigte von Vivantes auf der Straße gegen Outsourcing und Tarifflucht

»TVöD für alle!« Mit dieser Parole fordern die Belegschaften der Tochtergesellschaften Berliner Kliniken eine Angleichung ihrer Löhne und Bedingungen an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Den Anfang haben die Beschäftigten der Vivantes Service Gesellschaft (VSG) Mitte April mit einem zweitätigen Warnstreik gemacht. 

»Die Resonanz auf den Streikaufruf war unerwartet gut«, berichtet Andreas Hörath von der ver.di-Tarifkommission. Vor allem in der Zentralsterilisation, wo viele Kolleginnen und Kollegen gewerkschaftlich organisiert sind, sei einiges liegengeblieben. Für die meisten war es die erste Arbeitsniederlegung überhaupt. »Die Aktion hat uns Mut und auch eine Menge Spaß gemacht – und wir haben viel gelernt«, sagt Hörath, der als Kraftfahrer in der Steri-Logistik der VSG arbeitet. So werde der nächste Streik wohl länger sein und kurzfristiger angekündigt.

Dass es ein nächstes Mal geben wird, ist so gut wie sicher. Denn der Arbeitgeber hat als Reaktion auf den Ausstand zwar endlich ein Angebot vorgelegt. »Das hat die Stimmung aber nur noch angeheizt. Die Kollegen sind geplatzt vor Wut«, so Hörath. Das vorgeschlagene Lohnsystem liegt nicht nur weit unter dem Niveau des TVöD. Auch bei Zuschlägen, Erholungs- und Zusatzurlaub sowie Krankengeld und Jahressonderzahlung wären die VSG-Beschäftigten schlechter dran. Als »Skandal« bezeichnete ver.di, dass bei der Zuordnung zu den Gehaltsstufen lediglich die Beschäftigungszeit ab 2011 berücksichtigt werden soll.

»Es geht uns nicht allein ums Geld«, stellte die Tarifkommission in einer Stellungnahme klar. »Wir wollen Gerechtigkeit, gleiche Bedingungen für gleiche Arbeit, TVöD für alle!« Denn im Moment ist die VSG-Belegschaft gespalten: Für 650 der knapp 900 Beschäftigten, die aus dem Mutterkonzern in die VSG übergegangen oder an diese verliehen wurden, gilt der TVöD. Die restlichen 250 Kolleg/innen und alle Neueingestellten arbeiten ohne Tarifvertrag zu deutlich schlechteren Konditionen.

Auch an der Charité Facility Management (CFM) tut sich was. »Gemeinsam organisieren wir jetzt den Aufstand der Töchter«, sagt Maik Sosnowsky von der ver.di-Betriebsgruppe. »Ob bei Vivantes, an der Charité oder auch im Botanischen Garten – in allen Servicebereichen des Landes haben die Kolleginnen und Kollegen den TVöD verdient.« 2011 konnten die CFM-Beschäftigten dieses Ziel trotz wochenlanger Streiks zunächst nicht erreichen (siehe drei.41). Jetzt wollen sie einen neuen Anlauf wagen und haben eine Tarifkommission gewählt. Zugleich planen die Gewerkschafter an der Charité und bei Vivantes, die im September stattfindende Abgeordnetenhauswahl zu nutzen, um öffentlich Druck zu machen.

Das machen auch die Beschäftigten der Therapeutischen Dienste, die vor anderthalb Jahren von Vivantes ausgegliedert wurden. Mit beharrlichen Aktionen haben sie unter anderem den SPD-Landesparteitag und den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses dazu bewegt, sich gegen Lohndumping durch Outsourcing auszusprechen.                                

-dab