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Pflegeausbildung – was will ver.di?

Meine Frage

Pflegeausbildung – was will ver.di?

fragt Ernst Mayer, Homburg

Aus drei mach eins. Nach diesem Motto sollen die Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammengelegt werden. ver.di hat dazu eine differenzierte Position. Einerseits ist der Kern pflegerischer Tätigkeiten

der gleiche, weshalb Teile der Ausbildung gemeinsam stattfinden können. Andererseits muss die Ausbildung genug spezifisches Fachwissen vermitteln. Sonst bräuchte es eine »Ausbildung nach der Ausbildung«. Das wollen wir nicht. Deshalb fordern wir eine mindestens einjährige Spezialisierung in den jeweiligen Berufen.

Entscheidend sind aber nicht nur Dauer und Ausgestaltung, sondern auch und vor allem die Qualität der praktischen Ausbildung. Der ver.di-Ausbildungsreport belegt: Eine gute Praxisanleitung fehlt allzu oft (siehe Grafik unten). Nur in der Praxis können angehende Pflegekräfte lernen, Wunden zu versorgen, Menschen zu waschen, Verbände zu wechseln. Dazu braucht es qualifizierte Praxisanleiter/innen mit genügend Zeit.

Ein weiteres Problem ist das »Stations-Hopping«: Drei von vier Pflege-Azubis geben im Ausbildungsreport an, dass sie bis zu fünf Mal pro Halbjahr kurzfristig auf einer anderen Station eingesetzt werden. So werden Auszubildende zu Lückenfüllern, statt geplant und strukturiert ihrer Ausbildung nachgehen zu können. Das einzige Gegenmittel ist die betriebliche Mitbestimmung. Es gibt bereits Beispiele dafür, wie Jugendvertretungen gemeinsam mit Betriebs- oder Personalräten dem »Stations-Hopping« einen Riegel vorgeschoben haben. Einer von vielen Gründen, weshalb die Sicherung der betrieblichen Mitbestimmung unverzichtbar für eine gute Ausbildung ist.

Wir wollen eine Ausbildung ohne Hürden. Deshalb finden wir es richtig, dass das Abitur keine Zugangsvoraussetzung ist. Eine Hürde ist aber auch das Schulgeld, das nach wie vor in einigen Bundesländern in der Altenpflegeausbildung erhoben wird. Jede und jeder muss unabhängig vom Geldbeutel der Eltern eine Ausbildung machen können. Deshalb ist klar: Die Schulgeldpflicht gehört sofort und überall abgeschafft.

Wir wollen eine gute Ausbildung. Und nicht nur das. Junge Pflegekräfte müssen das erworbene Wissen im Berufsalltag auch anwenden können. Allein im Nachtdienst mit 36 Patient/innen – wie soll das gehen? ver.di kämpft für mehr Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – im Interesse aller.

Mario Gembus, ver.di-Jugendsekretär

Diagramm zu fehlenden Praxisanleiter/innen werkzwei/ver.di Grafik Praxisanleiter  – Umfrage Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015