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Eine Schleife an der Saar

Entlastung

Eine Schleife an der Saar

Beschäftigte des Kreiskrankenhauses St. Ingbert halten ein Transparent hoch Peter Klein St. Ingbert  – Beschäftigte des Kreiskrankenhauses St. Ingbert machen klar, worum es ihnen geht: Entlastung, Gesundheitsschutz, mehr Personal

ver.di streitet weiter für Entlastung in Saarlands Krankenhäusern. Appell an Beschäftigte kirchlicher Kliniken

»Ohne dich bekommen wir es nicht hin.« So heißt es in einem Appell des Ratschlags der Tarifberaterinnen aus den Kliniken des Saarlands an ihre Kolleginnen und Kollegen in kirchlichen Häusern. Denn dort ist die Bewegung für einen Tarifvertrag Entlastung noch unterrepräsentiert. Während sich aus den Krankenhäusern der Kommunen, des DRK und der Knappschaft sowie aus der Uniklinik eine Vielzahl von Beschäftigten für das Projekt engagiert, sind es in den Einrichtungen von Diakonie und Caritas bislang nur wenige. Das wollen die ver.di-Aktiven zunächst ändern, bevor sie in den Tarifkonflikt einsteigen.

Diakonie und Caritas im Fokus

»Wir drehen eine Schleife«, berichtet ver.di-Sekretär Michael Quetting von den Beschlüssen des Tarifberater-Ratschlags im Mai. Die eigentlich geplante Wahl einer Tarifkommission wird auf das nächste Treffen am 3. September verschoben. »In dieser Zeit werden wir die kirchlichen Belegschaften gezielt ansprechen.« Denn ohne sie geht der ambitionierte Plan nicht auf: In dem kleinen Bundesland sollen mindestens 11 der 21 Krankenhäuser beim Tarifvertrag Entlastung mitmachen. So soll verhindert werden, dass die beteiligten Kliniken durch die nötige Einstellung zusätzlicher Arbeitskräfte im betriebswirtschaftlichen Konkurrenzkampf untergehen. »Wir brauchen die Kolleginnen und Kollegen aller Träger, um erfolgreich sein zu können«, heißt es deshalb in der beschlossenen Resolution. Derweil gehen die Diskussionen weiter, wie der Druck auf die Verantwortlichen gesteigert werden kann, damit endlich mehr Personal in die Häuser kommt. Eine Idee unter mehreren ist, dass mindestens 3.000 Beschäftigte zeitgleich ihre Kündigung einreichen. Dieser Vorschlag hat bereits für einigen Wirbel gesorgt.

Saarlands Gesundheitsministerin

Monika Bachmann (CDU) warf ver.di sofort »nicht verantwortbare Streikmethoden« vor. Zugleich räumte sie ein, die Situation der Pflegenden am Bett müsse sich ändern, es brauche mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Wohl auch als Reaktion auf die ver.di-Aktivitäten gründete sie Ende Mai den »Pflegepakt Saarland«.

Schöne Worte reichen nicht »Die vielen schönen Worte von Wertschätzung und Anerkennung haben die Pflegekräfte schon so oft gehört«, sagt Gewerkschafter Quetting dazu. »Doch verbessert hat sich nichts – im Gegenteil. Es wird sich nur etwas ändern, wenn sich die Beschäftigten selbst dafür einsetzen.«  In den kommenden Wochen soll die Bewegung in den Betrieben weiter gestärkt werden. Zu den 296 Tarifberaterinnen sollen noch mindestens 167 hinzukommen. In den Häusern sollen Aktivengruppen und Aktionsleitungen gebildet werden.

Breites Bündnis

Mit einem »fahrenden Flashmob« in drei Städten am 24. Juni soll die Bevölkerung auf die Probleme in den Kliniken aufmerksam gemacht werden. Schon jetzt nimmt die Öffentlichkeit regen Anteil an der Auseinandersetzung. So hat sich ein breites gesellschaftliches Bündnis im »Saarbrücker Appell für mehr Pflegepersonal« zusammengeschlossen. Den Aufruf haben bereits 1.100 Persönlichkeiten des Saarlands unterzeichnet.

 

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