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Signal aus Berlin

Charité

Signal aus Berlin

Beschäftigte der Charité freuen sich über ihren Tariferfolg. Arnim Thomaß charite  – Beschäftigte der Charité freuen sich über ihren Tariferfolg.

Tarifvertrag gegen Überlastung an der Charité unterschrieben. Erste Betten bleiben leer

Beharrlichkeit und Aktionsbereitschaft zahlen sich aus. Nach einer vier Jahre dauernden Auseinandersetzung haben ver.di und das Berliner Uniklinikum Charité Ende April einen Tarifvertrag für Gesundheitsschutz und personelle Mindestbesetzungen unterschrieben. Fast 90 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder votierten für die Vereinbarung.

Auf Intensivstationen und in der Kinderklinik gelten jetzt feste Personalquoten, auf Normalstationen wird auf Grundlage der Pflegepersonalregelung und so genannter Sondertatbestände berechnet, wie viele Beschäftigte wenigstens zur Verfügung stehen müssen. Auch für alle anderen Bereiche ist festgeschrieben, was in Überlastungssituationen zu tun ist. Konsequenzen sind schon spürbar: Auf mehreren Stationen wurden Betten wegen des Personalmangels vorübergehend freigehalten. »Der Abschluss ist ein Novum, bundesweit.« Und: »Er wird hoffentlich Signalwirkung entfalten.« Das sagt selbst Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). Als Aufsichtsratsmitglied beim Krankenhauskonzern Vivantes kann er gleich selbst mit dafür sorgen, dass die Einigung an der Charité Nachahmer findet.

ver.di-Landesfachbereichsleiterin Meike Jäger sieht in dem Tarifvertrag »einen Meilenstein für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Krankenhaus«. Er könne Vorbildcharakter für viele andere Kliniken haben. Allerdings müssten viele Regelungen im betrieblichen Alltag ihre Wirksamkeit erst noch beweisen.

Doch schon jetzt wird deutlich, dass die Vereinbarung gegen Überlastung hilft – wenn die Beschäftigten sie nutzen. »Auf mehreren Stationen wurden unter Berufung auf den Tarifvertrag bereits Betten freigehalten«, berichtet der Krankenpfleger Stephan Gummert. Auf seiner kardiologischen Station am Campus Virchow hatte sich einer von drei Kollegen krank gemeldet. Da weder Pool- noch Leasingkräfte zur Verfügung standen, wurden drei Betten in der betroffenen Schicht nicht neu belegt.

»Wir haben einen aktivierenden Tarifvertrag geschlossen«, betont ver.di-Betriebsgruppensprecher Carsten Becker. »Wenn die Kolleginnen ihn aktiv nutzen, werden sich die Arbeitsbedingungen verbessern.« Die an der Charité erreichte Regelung sieht der Gewerkschafter nicht als Ende, sondern als wichtigen Etappensieg der Bewegung für mehr Personal. »Wenn nun auch in vielen anderen Häusern Tarifverträge für Entlastung durchgesetzt werden, erhöht das den Druck auf die Politik, endlich eine gesetzliche Personalbemessung einzuführen.«

Das Tarifergebnis im Detail

 

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