Servicegesellschaften

Servicekräfte an der Uniklinik Düsseldorf fordern Tarifvertrag

Wir alle sind das Krankenhaus

Portrait Stephan Dieterich ver.di Stephan Dieterich

»Ich arbeite seit 17 Jahren für die Uniklinik Düsseldorf. Aktuell bin ich in der UKM angestellt – das ist schon die dritte externe Firma. Mit meiner Qualifikation kann ich noch recht gute Bedingungen aushandeln. Aber für die Kolleginnen und Kollegen in den Cafeterien oder der Wäscherei ist es ein Riesen-Problem, dass es keinen Tarifvertrag gibt. Sie verdienen extrem wenig. Eine betriebliche Zusatzversorgung gibt es nicht. Nach einem harten Arbeitsleben landen sie daher sicher in der Altersarmut und sind auf staatliche Unterstützung angewiesen. Das kann doch nicht sein. Am Ende müssen meine Kinder für diese verfehlte Landespolitik bezahlen. Sich dagegen zu wehren, ist auch eine Frage der Generationengerechtigkeit.« Stephan Dieterich ist Netzwerktechniker und Betriebsratsmitglied der Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH (UKM).

Demonstrierende in Streikwesten ver.di Streik der Servicekräfte an der Uniklinik Düsseldorf im April 2017

Mit mittlerweile vier Warnstreiks haben die Beschäftigten der Gesellschaft für klinische Dienstleistungen (GKD) und der Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH (UKM) deutlich gemacht: Sie wollen endlich einen Tarifvertrag. Für die gleiche Arbeit bekommt ein Großteil von ihnen fast ein Drittel weniger Geld als Festangestellte der Uniklinik. Etliche sind befristet oder arbeiten zwangsweise Teilzeit. Es gibt keine betriebliche Altersvorsorge, bei Zuschlägen und Jahressonderzahlung sind die Kolleg/innen deutlich schlechter dran.

Dabei ist klar: Ohne Patiententransport, Reinigung, Sicherheit, Cafeteria, Wäscherei, Technik und Zentralsterilisation oder PC-Service funktioniert kein Krankenhaus. Die Beschäftigten von GKD und UKM leisten wichtige und  oft auch anstrengende Arbeit. Sie muss angemessen vergütet werden. Das heißt: Auf dem Niveau des Tarifvertrags der Länder (TV-L).

Mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen der Servicegesellschaften haben sich in ver.di organisiert. Sie setzen sich für einen Tarifvertrag ein, der vor Willkür schützt. Die gute Beteiligung an den Warnstreiks hat klar gemacht: Sie stehen hinter den Forderungen ihrer Gewerkschaft.

Doch die Geschäftsführungen weigern sich kategorisch, Tarifverhandlungen mit ver.di aufzunehmen. Stattdessen herrschen Unsicherheit und schlechte Bezahlung. Das schadet Beschäftigten ebenso wie Patientinnen und Patienten. Wenn Arbeit prekär ist und schlecht entlohnt wird, leidet am Ende die Qualität. Billig um jeden Preis – das kann die Gesellschaft teuer zu stehen kommen.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern den Schutz eines Tarifvertrages zu verweigern, ist schändlich. Solche Zustände in einer landeseigenen Uniklinik – das darf nicht sein. Die politisch Verantwortlichen müssen eingreifen. Eine gute Gesundheitsversorgung braucht gute Arbeitsbedingungen und tarifliche Bezahlung. Dafür machen wir gemeinsam weiter Druck.

Portrait Nina Krieger ver.di Nina Krieger

»In der Zentralsterilisation und der Wäscherei arbeiten UKM-Beschäftigte gemeinsam mit gestellten Kollegen aus der Uniklinik. Sie machen dieselbe Arbeit – und bekommen dafür bis zu 500 Euro im Monat weniger. Serviceassistentinnen auf den Stationen werden zum Teil mit zehn Euro pro Stunde abgespeist. Oft haben sie geteilte Dienste: Morgens vier Stunden, fünf Stunden Pause, dann nochmal vier Stunden Arbeit. Wie soll man sich unter diesen Umständen um Kinder und Privatleben kümmern? Wie soll man mit dem Geld eine Familie ernähren? Wir haben gesagt: Das geht so nicht weiter. Wir wehren uns und fordern einen Tarifvertrag. Dafür gemeinsam zu streiken, war ein gutes Gefühl. Es war schön zu sehen, dass so viele mitgemacht haben und dass die Leute zusammenhalten. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen. Denn von alleine ändert sich nichts.« Nina Krieger ist Elektrikerin und stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH (UKM).

Portrait Herma Janßen ver.di Herma Janßen

»Die Uniklinik Düsseldorf ist zu 100 Prozent in Besitz des Landes NRW. Wie kann es da sein, dass in den Servicetöchtern Niedriglöhne bezahlt werden? Dafür zahlt am Ende auch der Steuerzahler, wenn Beschäftigte mit Hartz IV aufstocken müssen oder im Alter nicht über die Runden kommen. Die Landespolitik steht in der Verantwortung. Unabhängig davon, welche Regierungskoalition das Sagen hat: Sie muss dafür sorgen, dass gute Arbeit angemessen entlohnt wird.« Herma Janßen ist Gewerkschaftssekretärin im ver.di-Bezirk Düsseldorf.

Portrait ver.di Martin Koerbel-Landwehr

»Für uns ist ganz klar: Die Kolleginnen und Kollegen der Servicegesellschaften brauchen die gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaft. Alles andere ist nicht nur ungerecht, es schadet auch dem betrieblichen Frieden und der Versorgungsqualität. Das Krankenhaus funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Deshalb unterstützen Pflegekräfte, Ärzte und Patienten die Bewegung für einen Tarifvertrag bei UKM und GKD. Wenn alle Beschäftigten direkt bei der Uniklinik angestellt wären, wäre es das Beste – für alle.« Martin Koerbel-Landwehr ist Personalratsvorsitzender des Uniklinikums Düsseldorf.