Rettungsdienst

Appell der sächsischen Retter

Rettungsdienst

Appell der sächsischen Retter

Am Samstag (18.11.2017) haben in Dresden über 100 Beschäftigte verschiedener sächsischer Rettungsdienste demonstriert. Sie appellieren an die Politiker der Kommunen und des Landtages, Lohndumping zu unterbinden und die Attraktivität der Berufe im Rettungsdienst zu verbessern. Mit ihrem Protest unterstützen die Demonstranten, von denen einige sogar aus Niedersachsen angereist waren, auch den Arbeitskampf der Beschäftigten in Dresden, Glauchau oder Stollberg.

Retterdemo Dresden 18.11.2017 ver.di Retterdemo Dresden 18.11.2017  – Retterdemo Dresden 18.11.2017

"Rettungsdienst am Ende, wann kommt die Wende", rufen die Demonstranten auf dem Weg ihrer Demonstration durch die Innenstadt Dresdens. Man wolle so lange protestieren und streiken, bis das Deutsche Rote Kreuz gute Tarifverträge mit der Gewerkschaft der Beschäftigten, der ver.di, abschließt. "Streik, Streik, Streik" schallt es über den Platz vor der Frauenkirche.

Gesundheit ist keine Ware

"Niemand sucht es sich aus, Patient zu sein. Gesundheit ist keine Ware und der Rettungsdienst kein Marktplatz", fasst André Urmann, ver.di-Gewerkschaftssekretär im Bezirk Chemnitz-Erzgebirge, die Absurdität der Rettungsdienstvergabe in Sachsen zusammen. Der ver.di-Sekretär fordert das Ende der "Pseudomarktwirtschaft" und ein Umdenken aller verantwortlichen Politiker. Sie sollten die "Lohndrücker im Land" nicht länger bevorzugen. Urmann meint damit unter anderem die Kreisverbände des Deutschen Roten Kreuzes, die immer noch an den Tarifverträgen mit der, wie er sie nennt, "Phantomgewerkschaft DHV" festhalten.

Andre Schnabel vom Deutschen Gewerkschaftsbund ist beeindruckt von der Entschlossenheit der Retter. Er fordert in seiner Rede faire Tarifverträge im Rettungsdienst und versichert die Unterstützung der anderen sieben Gewerkschaften. Er kritisiert, dass die sächsische CDU die Interessen der Beschäftigten hinter die der Arbeitgeber gestellt habe. Die Arbeitsbedingungen würden bei lediglich 17 Prozent aller Beschäftigten durch Tarifverträge geregelt und geschützt.

Dorit Hollasky, Gewerkschafterin und Krankenschwester im städtischen Klinikum Dresden, ist begeistert vom Kampfgeist der Retter. Sie benennt das eigentliche Problem: "Profitorientierung gehört nicht ins Gesundheitswesen, das ist schlecht für die Beschäftigten und die Patienten".

Zerstört nicht unsere Berufung

Stephan Heinrich, ein betroffener Retter aus Dresden, zählt die konkreten Auswirkungen der Rettungsdienstvergabe und der Personalpolitik des DRK auf: "Lohndumping, gestrichene Zulagen, gekürzte Aufwendungen, fehlende Weihnachtsgelder, Eingruppierungen in die niedrigsten Lohngruppen und Arbeitszeiten von 220 bis 240 Stunden im Monat sind nur einige Probleme, mit denen wir in den letzten Jahren umgehen mussten." Die Demonstranten rufen ihrem Kollegen lautstark entgegen: "Streik, Streik, Streik". "Wie wollen wir die Qualität hoch halten und uns gleichzeitig Todsparen?" fragt Heinrich.

Zusammen mit Kollegen hatte er vergangenen Woche Geert Mackenroth aufgesucht. Mackenroth ist Landtagsabgeordneter der CDU im sächsischen Landtag und Vizepräsident des DRK-Landesverbandes. Mit den Fragen der Hilfe suchenden Rettungsdienstler und Rotkreuzler konfrontiert, muss Mackenroth auf die freie Berufswahl verwiesen und die Abwanderung in andere Bundesländer empfohlen haben. Ein Skandal für den engagierten Retter. "Zerstört nicht unsere Berufung, jeder ist wirklich nicht für diesen Job geboren." und wieder wird es laut auf dem Platz vor der Dresdner Frauenkirche. "Streik, Streik, Streik".

Mit Katja Kipping und Sabine Friedel unterstützten auch zwei Politikerinnen den gestrigen Protestzug. Beide sehen Handlungsbedarf. Die eine, Sabine Friedel (SPD), möchte ihren Koalitionspartner, die CDU zu einer besseren und gerechteren Ausschreibung bewegen. Katja Kipping (Die Linke) hält dagegen nicht viel von privater Rettungsdienstvergabe. Beide stehen hinter der Forderung der Retter für einen fairen Tarifvertrag. 

Der Protest geht weiter, genauso wie die Streiks in Stollberg, Glauchau oder Dresden. Wer einen qualitativ guten Rettungsdienst in Sachsen möchte, muss denen, die diese Arbeit machen, auch mal zuhören und letztlich handeln.

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