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Gefährdung im Rettungsdienst

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Gefährdung im Rettungsdienst

Wer zu lange arbeitet, gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern läuft auch Gefahr, Fehler zu machen oder einen Unfall zu verursachen. Für die so entstehenden Sach- und Personenschäden kann der Rettungsdienstmitarbeiter möglicherweise in Regress genommen werden. Dies gilt auch für Betriebs- und Personalräte, die rechts- und tarifwidrige Dienstpläne genehmigen.

Sicher ist, dass lange Arbeitszeiten das Unfallrisiko erhöhen. So steigt das Unfallrisiko ab der achten oder neunten Arbeitsstunde bereits exponentiell an. Auch hinsichtlich langer wöchentlicher Arbeitszeiten konnte gezeigt werden, dass das Unfallrisiko mit einer zunehmenden Anzahl von Stunden pro Woche kontinuierlich ansteigt.

Im Interesse der Beschäftigten und der Patienten: Arbeitszeit reduzieren!

 

Grafik: Unfallrisiko und Arbeitszeit Carl von Ossietzky, Universität Oldenburg Grafik: Unfallrisiko und Arbeitszeit
  • Am schlimmsten wird es mit zunehmendem Alter, den 24 Stunden Diensten standhalten zu können. Nach dem 10. Einsatz in der »Landrettung« hätte ich vor kurzem morgens gegen halb 3 wegen Sekundenschlaf beinah unseren RTW bei einer Alarmfahrt in den Graben gesetzt.
    Karsten Flentje, Rettungsassistent und seit 27 Jahren im Rettungsdienst

  • Der Schichtdienst – oft mit chaotischem Schichtwechsel – gefährdet unsere Gesundheit. Neben Lärm und Hitze haben wir eine hohe körperliche Belastung z.B. durch schwere Gerätschaften oder schwere Patienten. Diese Belastungen potenzieren sich bei langen Arbeitszeiten und gefährden Gesundheit und Arbeitsfähigkeit.
    Norbert Jahn, Rettungsassistent beim BRK

Was tun?

Ein wesentlicher Ansatzpunkt für Betriebs- und Personalräte zur Minimierung der Gefährdung ist die Dienstplangestaltung. Zum einen wird die Belastung verringert, wenn bei der Dienstplangestaltung die Arbeitszeit vorhersehbar ist, genug Personal vorhanden ist (Stichwort: Abwesenheitszeiten beachten) und es für die Beschäftigten genügend Zeitsouveränität gibt.

Einen wesentlichen Einfluss auf das Unfallrisiko und die Gefährdung haben aber auch die Länge der täglichen Arbeitszeit und die Schlafdauer. So erhöht sich bei der kurzfristigen Reduktion der Schlafdauer das Unfallrisiko, langfristig gefährdet Schlafmangel die Sicherheit und Gesundheit. Umso wichtiger ist es, im Dienstplan die Schichtlängen angemessen zu begrenzen, Ruhezeiten abzusichern, ungünstigen Schichtbeginn zu vermeiden und belastende Schichtfolgen zu vermeiden.

  • Gerade wegen der Gefährdung sind auch Pausen wichtig. In Bayern haben sich seit 2011 Beschäftigte des BRK bei den Gewerbeaufsichtsämtern über nicht gewährte Pausen und weiterer Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz beschwert. Dank der Intervention einzelner Personalratsgremien, des Gesamtpersonalrats des BRK und ver.di Bayern beim Arbeitgeber und dem Arbeits- und Sozialministerium wurde nun von der „Arbeitsgruppe Pausenregelung Rettungsdienst“ der Gewerbeaufsichtsämter im April 2016 eine Handreichung für den Arbeitgeber („Rahmen für die Gestaltung von Pausen im Rettungsdienst“) herausgegeben. Das schafft Klarheit und zeigt wie wichtig es ist, die Pausen zu beachten.
    Norbert Jahn, Rettungsassistent beim BRK