Psychiatrie

Psychiatrie: Wittchen-Studie begleiten

Personalausstattung

Psychiatrie: Wittchen-Studie begleiten

Forschergruppe analysiert die Personalausstattung in der Krankenhauspsychiatrie und -psychosomatik. Betriebliche Interessenvertretungen sollten sich daran beteiligen.

In insgesamt 120 ausgewählten Psychiatrien wird eine Forschergruppe um Professor Hans-Ulrich Wittchen von der GWT-TUD GmbH in den kommenden Wochen unterwegs sein. Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) soll sie den Ist-Zustand bei der Personalausstattung analysieren. Vor diesem Hintergrund und unterstützt von Expert/innen soll der G-BA im Auftrag des Gesetzgebers Mindestvorgaben zur Personalausstattung entwickeln. Diese sollen möglichst evidenzbasiert sein, »zu einer leitliniengerechten Behandlung beitragen« und sich an der bisherigen Personalverordnung in der Psychiatrie (Psych-PV) orientieren. Auch wenn Skepsis angebracht ist: Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertretungen tun gut daran, sich einzubringen und die Beschäftigten dazu zu motivieren, offen mit den Wissenschaftlern zu sprechen.

Für den Personalratsvorsitzenden im Pfalzklinikum, Bernhard Dobbe, ist klar, dass es sinnvoll ist, sich an der Untersuchung zu beteiligen. »Wir sind ein vergleichsweise gut ausgestattetes kommunales Haus und wir meinen, dass unsere Standards einfließen müssen, damit halbwegs anständige Durchschnittswerte ermittelt werden können«, erklärt er. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die schlechtere Personalausstattung privater Kliniken bei der Bestimmung des Bedarfs zum Ausgangspunkt genommen wird. »Es müssen auch Fragen der Qualifizierung, der Teamentwicklung, der Veränderung von Rechtsgrundlagen und Fachlichkeit einfließen«, betont Dobbe.

Trotz der grundsätzlichen Bereitschaft zur Mitarbeit sind die Beschäftigtenvertreter/innen im Pfalzklinikum skeptisch, was die Aussagekraft und Verlässlichkeit der Studienergebnisse betrifft. »Die Untersuchung hat zwar einen wissenschaftlichen Anspruch, sie ist aber auch eine Auftragsarbeit für den G-BA«, gibt Dobbe zu bedenken. Für das mit Vertreter/innen der Krankenkassen, der Kliniken und der Ärzteschaft besetzte Gremium stehe in der Regel die Begrenzung der Kosten im Vordergrund.

Den von Professor Wittchen und seinem Team eingesetzten Fragebogen hält der Gewerkschafter für problematisch. Zum Teil seien die Fragen schwer verständlich. Doch konkrete Änderungen am Fragebogen können aus methodischen Gründen nicht vorgenommen werden. Im Pfalzklinikum sollen die Befragten deshalb vorher an die Themen herangeführt werden. »Jeder soll sagen, was er denkt. Aber es ist wichtig, dass er versteht, worauf die Frage abzielt«, erklärt Dobbe.

Aus ver.di-Sicht ist positiv, dass entgegen der ursprünglichen Planung auch gefragt werden soll, welche Aufgaben aus Zeit- oder Personalnot nicht erledigt werden können. Themen wie Überstunden, die Einhaltung der Dienstpläne und der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen sowie Gefährdung durch Alleinarbeit werden nun ebenfalls abgefragt. »In der Studie muss die reale Situation deutlich werden – inklusive der Überlastung und ihrer Folgen für Versorgung und Beschäftigungsbedingungen«, fordert Gisela Neunhöffer, die in der ver.di-Bundesverwaltung für psychiatrische Einrichtungen zuständig ist. »Wenn das der Fall ist, kann sie einen Beitrag zu einer guten und angemessenen Personalausstattung in der psychiatrischen Versorgung leisten.« ver.di werde aber nicht warten, bis die Studienergebnisse veröffentlicht sind, betont Neunhöffer. »Wir bringen uns schon jetzt mit unseren Vorschlägen ein. Es braucht eine PsychPVplus, die umfassend, verbindlich und durchsetzbar ist.«

Davon ist auch Personalrat Dobbe überzeugt. Seine Sorge ist, dass die Wittchen-Studie am Ende kein adäquates Gesamtbild zur Lage in der Psychiatrie erzeugen könnte. Es müsse die Möglichkeit geben, den Wissenschaftlern dieses zu vermitteln. Seine Aufgabe als Personalrat sieht Dobbe darin, in der Belegschaft Transparenz über die Studie herzustellen und darauf zu pochen, dass die Beteiligung freiwillig und die Anonymisierung gewährleistet sind.

  • 1 / 3

Weiterlesen