Krankenhaus

Das Krankenhaus von morgen gestalten

Krankenhaustagung 2017

Das Krankenhaus von morgen gestalten

Die 370 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ver.di-Krankenhaustagung im November 2017 tauschten sich in Praxisforen über die Arbeit der betrieblichen Interessenvertretung aus. Sie beschäftigten sich mit den Themen Demografie; Generationenwechsel im Gremium; Betriebsbesichtigung durch die Unfallversicherung als Hebel für Entlastung; Öffentlichkeit für unsere Themen; Personalverordnung in der Psychiatrie; Servicegesellschaften; Digitalisierung; Ausfallkonzepte und verlässliche Arbeitszeiten.

  • Forum 1: Demografie – Gestalten – Jetzt

    Die demografische Entwicklung gilt auch für die Krankenhäuser als zentrale Herausforderung. Nicht nur die Patientinnen und Patienten werden im Durchschnitt immer älter – sondern auch die Beschäftigten. Doch das Bewusstsein darüber ist sehr unterschiedlich entwickelt, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums 1* der ver.di-Krankenhaustagung 2017 feststellten. »Einige hatten sich noch gar nicht damit beschäftigt, bei anderen spielt das Thema hingegen schon eine große Rolle«, so Annette Boldt, Betriebsratsvorsitzende im Stadtkrankenhaus Korbach und Moderatorin des Forums. Insbesondere Interessenvertretungen in größeren Krankenhäusern ab 500 Beschäftigte hätten sich bereits auf die Problematik eingelassen, in kleineren Einrichtungen sei das bislang offenbar weniger der Fall.

  • Forum 2: Generationswechsel im Gremium: gut vorbereiten und organisieren

    Eine ganze Generation aktiver Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertreter/innen verlässt in den kommenden Jahren aus Altersgründen ihren Betrieb und die Gremien. Beim Forum 2* der ver.di-Krankenhaustagung 2017 ging es darum, wie sich Interessenvertretungen darauf einstellen können. »Der Generationenwechsel beinhaltet sowohl Chancen als auch Risiken«, so Ralf Bohlen vom ver.di-Bildungszentrum Walsrode. Welche das sind, wurde unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern lebhaft diskutiert. Manche von ihnen sehen sich bereits auf dem richtigen Weg, den Generationenwechsel bewusst anzugehen. Andere gelangten im Forum zu der Erkenntnis: Wir müssen jetzt etwas tun. »Wir wollten einen Anstoß geben, darüber nachzudenken«, erläuterte Ralf Bohlen. Bei der Übergabe von Verantwortung an Jüngere könnten viele persönliche Fragen auftauchen, gab der ver.di-Bildungssekretär zu bedenken. Einfluss und Kontrolle abzugeben, sei nicht immer einfach.

  • Forum 3: Die Betriebsbesichtigung durch die Unfallversicherung – Hebel für Entlastung und bessere Arbeit

    Der Arbeitgeber hat die Pflicht, die Gesundheit aller Beschäftigten durch geeignete Maßnahmen zu schützen. Dazu dient die Gefährdungsbeurteilung, mit deren Hilfe ganz unterschiedliche Gesundheitsgefährdungen ermittelt werden können – wozu seit einigen Jahren auch psychische Belastungen zählen. Das Forum 3* der ver.di-Krankenhaustagung 2017 stellte in diesem Zusammenhang die Frage, welche Möglichkeiten Betriebsbesichtigungen durch die Unfallversicherung bieten, für Entlastung und bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Norbert Schmidt von der Berufsgenossenschaft erläuterte, wie solche Betriebsbesichtigungen ablaufen. Schnell wurde klar: Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertretungen sollten sich in diesen Prozess frühzeitig einbringen. Sie können den Prüfer/innen eigene Themen vorschlagen, deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten untersucht werden sollten. »Die Prüfer sind froh, wenn sie Impulse von den Interessenvertretungen bekommen«, sagt Matthias Lindner, der in der ver.di-Bundesverwaltung zu dem Thema arbeitet. »Das kann ein wirksamer Hebel sein, Entlastung zu erreichen.«

  • Forum 4: Öffentlichkeit für unsere Themen

    Aktive im Betrieb haben viele wichtige Anliegen, die sie ihren Kolleginnen und Kollegen, manchmal auch einer breiteren Öffentlichkeit vermitteln wollen. Wie das geht, wurde in Forum 4* der ver.di-Krankenhaustagung 2017 geübt. »Wichtig ist, sich vorher konkret zu überlegen: Was will ich wem vermitteln – und wie bringe ich das am besten rüber?«, erklärt Astrid Sauermann, die im ver.di-Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen für Kommunikation zuständig ist. Vor der Kamera übten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Botschaften »auf den Punkt« zu bringen. »Man kann in einem kurzen Statement nicht die ganze Welt erklären«, betont Sauermann. Sie empfiehlt, sich auf eine zentrale Aussage zu konzentrieren. Denn je knapper und präziser Stellungnahmen gegenüber den Medien sind, desto wahrscheinlicher werden sie am Ende auch verbreitet.

  • Forum 5: PsychVVG – Personalvorgaben mit Tücken, ein Lernbeispiel

    Anders als in somatischen Kliniken gibt es für Psychiatrien eine gesetzliche Personalverordnung (Psych-PV). Diese gilt bis Ende 2019, ab 2020 wird sie – so sieht es das Gesetz zur Weiterentwicklung der Versorgung und Vergütung für psychiatrische und psychosomatische Leistungen (PsychVVG) vor – von einer neuen Regelung abgelöst. »Dass es weiter verbindliche Personalvorgaben geben soll, ist ein Riesen-Erfolg von ver.di und vielen anderen, die sich gegen die Abschaffung der Psych-PV und gegen das neue Entgeltsystem PEPP  gewehrt haben«, betonte Gisela Neunhöffer von der ver.di-Bundesverwaltung beim Forum 5* der ver.di-Krankenhaustagung 2017. »Das hat gezeigt: Es lohnt sich, sich einzumischen – selbst wenn die Lage aussichtslos erscheint.«

  • Forum 6: Ausgliederung und Arbeitsbedingungen in Servicegesellschaften

    Die Beschäftigten der Servicegesellschaften spüren den Kostendruck und die Ökonomisierung im Krankenhauswesen am stärksten. Das wurde beim Forum 6* der ver.di-Krankenhaustagung deutlich, in dem die Teilnehmer/innen darüber diskutierten, was die Belegschaften gegen Ausgliederungen und schlechte Arbeitsbedingungen im Dienstleistungsbereich unternehmen können. »Die Arbeitgeber bezwecken mit den Ausgliederungen vor allem eins: Tarifflucht«, erklärte der ver.di-Sekretär André Urmann aus Chemnitz. So würden die Löhne der Dienstleister gedrückt – obwohl diese für das Krankenhaus ebenso wichtig seien wie Ärzt/innen, Pflegekräfte und andere. Unter den Betroffenen mache sich oft eine gewisse Hilflosigkeit breit. Denn allein mit den üblichen Instrumenten der Mitbestimmung seien unternehmerische Entscheidungen wie Ausgliederungen und Fremdvergabe kaum zu verhindern. Umso wichtiger sei der Erfahrungsaustausch, erklärte Katharina Ries-Heidtke, Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Klinikbetreibers Asklepios und Moderatorin des Forums. Zwar sei das Forum zu kurz gewesen, um dieses Bedürfnis ganz zu befriedigen, dennoch hätten sich fruchtvolle Diskussionen entwickelt.

  • Forum 7: Wie verändert die Digitalisierung die Arbeit im Krankenhaus – Möglichkeiten der Mitbestimmung

    In einem waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums 7* der ver.di-Krankenhaustagung einig: Die Digitalisierung kommt und sie wird auch in den Krankenhäusern deutliche Veränderungen bringen. Viel Diskussionsbedarf gibt es allerdings zu der Frage, wie die betrieblichen Interessenvertretungen damit konkret umgehen sollten. Welche Forderungen und Vereinbarungen können helfen, die Veränderungen im Sinne guter Arbeitsbedingungen zu gestalten? »Bislang wird die Digitalisierung vor allem technisch diskutiert«, sagte Sabine Baldauf von der Unternehmensberatung wmp consult. Die Diskussion über die soziale Dimension, über Werte, werde bislang kaum geführt. »Doch diese Debatte wird nicht stattfinden, wenn die Interessenvertretungen sie nicht anstoßen.«

  • Forum 8: Ausfallkonzepte und verlässliche Arbeitszeiten

    Einspringen außerhalb des Dienstplans oder kurzfristiger Einsatz auf anderen Stationen – das ist in vielen Krankenhäusern nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Für die Betroffenen bedeutet das eine zusätzliche, gravierende Belastung. Auf Proteste und Kritik daran reagieren Arbeitgeber mit Ausfallkonzepten, die den Mangel oftmals nur anders verteilen, wie beim Forum 8* der ver.di-Krankenhaustagung deutlich wurde. »Arbeitgeber sind sehr kreativ darin, Lösungen zu finden, die keine zusätzlichen Kosten verursachen«, erklärte Uwe Ostendorff, der in der ver.di-Bundesverwaltung für Krankenhäuser zuständig ist. Ob sie Flexi-Dienste, Stand-by-Dienste, Joker-Dienste oder anders heißen – vielfach handele es sich um Scheinlösungen, die keine wirkliche Entlastung bringen. »Das wird nur erreicht, wenn tatsächlich mehr Personal eingestellt wird«, betonte Ostendorff.

*Die Foren auf der diesjährigen Krankenhaustagung fanden jeweils zwei Mal statt.

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