Altenpflege

"Nachts wird gewaschen"

Altenpflege

"Nachts wird gewaschen"

Seit Ende 2015 gilt in Baden-Württemberg die Landespersonalverordnung und damit eine Fachkraftquote für die stationäre Altenpflege. Dazu Witold Konermann, Personalrat der „Leben und Wohnen“ Stuttgart.
Portrait Witold Konermann, Altenpfleger Astrid Sauermann Witold Konermann, Altenpfleger

Infopost: Wie ist die Fachkraftquote geregelt?

Witold Konermann: Grundsätzlich haben wir eine Fachkraftquote von mindestens 50 Prozent – tags wie nachts. Gut ist: Die Teilnahme an Fortbildungen soll auch in der Arbeitszeit ermöglicht werden. Es gibt eine klare Unterscheidung zwischen Pflegefachkräften und anderen Fachkräften. Und eine klare Abgrenzung der Aufgaben von Pflegefachkräften. Zudem ist die Besetzung im Nachtdienst geregelt.

Infopost: Was ist nicht gut?

Witold Konermann: Von der Fachkraftquote kann abgewichen werden, wenn 40 Prozent des Personals Pflegefachkräfte sind, 40 Prozent des Personals angelernte Kräfte und 20 Prozent des Personals andere Fachkräfte. Auch hiervon kann auf Antrag mit Zustimmung durch die zuständige Behörde abgewichen werden. Zudem dürfen Auszubildende im 3. Jahr bei der Fachkraftquote mit einem Anteil von 0,2 Vollzeitäquivalenten berücksichtigt werden. Und Pflegefach kräfte müssen im Tagdienst im Durchschnitt im Verhältnis von je einer Pflegefachkraft pro 30 Bewohner/innen eingesetzt werden – hier hätte es ständig heißen müssen. Jede Pflegekraft muss also im Durchschnitt 15 Bewohner/innen versorgen!

Infopost: Und im Nachtdienst?

Witold Konermann: Auch hier hapert es. Vorgesehen sind die ständige Anwesenheit einer Pflegefach kraft und je eine Kraft pro 45 Bewohner/innen. In Baden-Württemberg hat eine Einrichtung im Durchschnitt aber 54,2 Plätze, wobei der Anteil der kleinen Heime zunimmt. „Keine Nacht alleine“ wird für viele Kolleg/in nen daher weiterhin unerfüllt bleiben. Und: Zusätzliche Kräfte im Nachtdienst werden einfach vom Tagdienst abgezogen. Mit Folgen: Bewohner/innen werden wieder vermehrt nachts gewaschen.

Fragen: Uta von Schrenk

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