Altenpflege

Wer pflegt uns morgen?

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Wer pflegt uns morgen?

Massiver Fachkräftemangel in der Altenpflege droht.


Kann mal jemand den Notruf drücken? Die Politik muss jetzt handeln. Der Pflegebedarf in Deutschland steigt in den nächsten 15 Jahren massiv an. 2030 werden voraussichtlich 3,4 Millionen Menschen pflegebedürftig sein. Zugleich wird es wegen der geburtenschwachen Jahrgänge weniger Nachwuchs für die Arbeitswelt geben. Und jeder junge Mensch dürfte es sich gut überlegen, ob er oder sie in die Pflege geht.

Denn attraktiv geht anders. Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sind alles andere als top. Die meisten Beschäftigten arbeiten Teilzeit – die Hälfte aller Pflegefachkräfte und 60, 70 Prozent der Hilfskräfte. Auch, weil der Job körperlich und seelisch so anstrengend ist, dass viele Vollzeit gesundheitlich nicht schaffen.

Schichtarbeit, Überstunden, Holen aus dem Frei, Nachtarbeit, Personalabbau, verschlepptes Besetzen freier Stellen – das alles kann krank machen. Nicht selten arbeiten Pflegekräfte fünf oder sechs Wochen ohne einen freien Tag. Die Folge: Depressionen, Schlafstörungen, chronische Schmerzen und andere psychosomatische Erkrankungen. Im Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK von 2013 lagen Altenpflegekräfte mit 25,1 Fehltagen pro Jahr auf Platz 4 aller Berufe.

Es braucht also mehr Personal. ver.di hat deshalb eine einheitliche, bundesweite Personalbemessung angestoßen – mit Erfolg. Die Politik will bis 2020 eine Studie zur Umsetzung vorlegen. Doch die Pflegenden brauchen sofort Entlastung: ver.di fordert deshalb einen Personalschlüssel von 1:2 Pflegekräften pro Bewohner. Eine schnelle Bereitstellung von Finanzmitteln empfiehlt eine wissenschaftliche Studie, die ver.di zu diesem Thema in Auftrag gegeben hat.

Denn es gibt nicht nur zu wenige Pflegekräfte, sie werden auch zu schlecht bezahlt. Schlechter als alle anderen Arbeitskräfte im Land. Bei den Fachkräften in der Altenpflege sind es minus 10,6 Prozent. Bei den Helfern in der Altenpflege sind es minus 8,4 Prozent im Osten und sogar fast 15 Prozent weniger im Westen. Wundert sich da noch jemand über den Fachkräftemangel? Aber der Blick auf die Löhne zeigt auch: Tarifgebundene Arbeitgeber zahlen deutlich besser. Mehr davon! – dafür kämpft ver.di zusammen mit den Beschäftigten vor Ort.

Helfende Hände Werner Bachmeier Altenpflege