drei.64

Nichts Gutes, außer man tut es

Ganz vorn

Nichts Gutes, außer man tut es

Vorbei ist es mit der Hoffnung vieler Pflegekräfte, die saarländische Landesregierung stünde beim Thema Entlastung auf ihrer Seite. Kolumne von Michael Quetting in der drei.64
Foto von Zeitung ver.di Ganz vorn. Kommentar in der drei.64

Auf der großen Krankenhausdemonstration am 8. März 2017 versprach Saarlands Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) den Pflegekräften im strömenden Regen: Im nächsten Landeskrankenhausplan werde es konkrete Vorgaben zur Besetzung des pflegerischen und ärztlichen Personals geben. 

Man beauftragte einen Gutachter, er solle Vorschläge machen. Der gute Mann rechnete bis in den Spätherbst. Komplizierte Algorithmen kamen zum Einsatz, dann das Ergebnis: Die Fallzahl wird um 2,7 Prozent steigen, zum Beispiel in der Geriatrie sogar um 13,8 Prozent. Und Betten fehlen auch. Alles kann man ausrechnen. Nur eins offensichtlich nicht: Wie viel Personal muss es geben, um eine gute Versorgung zu gewährleisten? Das sei in Deutschland nicht evidenzbasiert, meint der Gutachter. Und die Arbeitgeber wollen das ja auch nicht. Wenn eine Pflegekraft allein 40 Patient/innen versorgen soll, dann kann das nicht funktionieren. Dafür braucht es keinen Gutachter und dessen Rechenkunststückchen. Es gebe rechtliche Bedenken, heißt es. Komisch. Wenn wir aus dem Frei gerufen werden oder von der Mittag- auf die Frühschicht springen, dann ist da kaum einer, der von rechtlichen Bedenken spricht.

Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es, wusste schon der Erich Kästner. Leider aber nicht die Regierung.

Michael Quetting, Gewerkschaftssekretär

Da ist es nun vorbei mit dem saarländischen Impuls. Und der Hoffnung vieler Pflegekräfte, die Landesregierung stünde auf ihrer Seite. Also muss man doch warten, was sich die in Berlin mit den sogenannten pflegesensitiven Bereichen ausdenken. Man hört leider nichts Gutes. Hin und her soll geschoben werden, von Entlastung kann keine Rede sein. Von guter Pflege schon gar nicht. Es gibt eben nichts Gutes, außer man tut es, wusste schon der Erich Kästner. Leider aber nicht die Regierung. 

ver.di hat das auch bei der Anhörung im Saar-Landtag gesagt. Sollte das Ministerium keine Verordnung vorlegen, muss eine Pflegebesetzung auf der Basis der Pflegepersonalregelung (PPR) aus dem Jahre 1996 ab dem 1. Januar 2019 erfolgen. Um die Qualität auf Intensivstationen sicherzustellen, ist ein Stellenschlüssel von einer examinierten Pflegekraft auf zwei Patientinnen und Patienten in allen Schichten zu gewährleisten. Alleinarbeit soll verboten sein.

ver.di weiß offensichtlich, wie es geht. Und die Pflegekräfte wissen es auch. Schließlich haben sie schon viermal für Entlastung gestreikt. Nicht nur im Saarland. Eine andere Sprache verstehen Arbeitgeber und Regierung offenbar nicht. 

So ist das mit dem Guten.

Wir müssen es einfach tun, meint

Michael Quetting

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