Gesundheit & Soziales

Keine Abschiebung nach Afghanistan

Drohende Abschiebung

»Keine Klinik ohne Anwar!«

Menschen mit Transparent mit Aufschrift "Die Klinik braucht Anwer" Luigi Wolf Protest gegen die Abschiebung des Gewerkschafters und Krankenpflegers Anwer Khan Safi nach Afghanistan

Mehr als 400 Beschäftigte des Klinikums Augsburg haben am 25. September für einen Tarifvertrag Entlastung gestreikt. Mit dabei war auch der Krankenpflegehelfer Anwar Khan Safi. Der engagierte Gewerkschafter ist von Abschiebung ins Bürgerkriegsland Afghanistan bedroht, obwohl er in wenigen Tagen eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnen soll. Die Kolleginnen und Kollegen seiner Station machten das beim Warnstreik zum Thema. Die Streikenden zeigten sich solidarisch und skandierten: »Keine Klinik ohne Anwar!« ver.di hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge aufgefordert, dem beruflich und persönlich völlig integrierten Kollegen das Aufenthaltsrecht zu gewähren.

»Ich hoffe, dass die Abschiebung von Anwar verhindert wird und er Teil unserer Gesellschaft und unserer Kolleginnen und Kollegen bleiben kann«, betont ver.di-Sekretär Stefan Jagel. Es sei absurd, einen Kollegen des Landes zu verweisen, der die schriftliche Zusage des Augsburger Klinikums für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger ab 1. Oktober 2017 habe und auf seiner Station als Krankenpflegehelfer völlig integriert sei. »Menschen in einem Bereich abzuschieben, in dem Fachkräftemangel herrscht, ist völlig kontraproduktiv«, so Jagel.

 

Anwar Khan Safi ist 2014 aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Mittlerweile spricht er fließend Deutsch und hat 2016/2017 eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer in Augsburg durchlaufen. Seit August ist er im Klinikum angestellt. Jetzt soll die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft folgen. Doch die drohende Abschiebung könnte alles zunichtemachen. ver.di protestiert dagegen in einem Schreiben an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. »Herr Anwar Khan Safi ist ein Musterbeispiel herausragender beruflicher Integration«, heißt es darin. Auf seiner Station sei er »unabkömmlich geworden, er ist auch im Betrieb politisch engagiert und ist ein aktives Mitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft«. Eine Abschiebung von Anwar Khan Safi – der zudem seit zweieinhalb Jahren ehrenamtlich als Sanitäter bei den Augsburger Johannitern arbeitet – wäre »nicht nur ein fachlicher und persönlicher Verlust für die Kolleginnen und Kollegen«.

ver.di ist nicht nur mit Anwar Khan Safi solidarisch. Der Gewerkschaftsrat, das höchste Gremium zwischen den Bundeskongressen, hat sich im Juni 2017 in einer Resolution klar dafür ausgesprochen, Abschiebungen in sogenannte sichere Drittstaaten – insbesondere nach Afghanistan – dauerhaft zu stoppen. Wer sich integriert habe und in einem Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis stehe, müsse einen Rechtsanspruch auf Einbürgerung haben.

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